Parkanlage Tullnau

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Die Parkanlage Tullnau ist eine kleine Grünanlage im Nürnberger Stadtteil Gleißhammer mit einem Weiher und einer Terrassenanlage im Stil eines italienischen Renaissance-Gartens an der Ostendstraße 14.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Der Tullnaupark liegt direkt gegenüber der Wohnanlage Norikus südlich der Ostendstraße. Der Tullnau-Weiher existiert bereits seit spätestens Mitte des 15. Jahrhunderts: Er entstand durch die Aufstauung des Goldbach, dessen Wasser zunächst zum Betreiben eines Hammers diente. Zum Ende des 15. Jahrhunderts entstand an dieser Stelle eine Papiermühle, die bis Anfang des 19. Jahrhunderts Papier produzierte. Dann erfolgte die Umwandlung in eine Spinnerei.

Die verwilderte Terrassenanlage des Tullnauparks im Jahr 1954.

Geschichte des Tullnau-Parks

Mit dem Erwerb einer Berechtigung für den Betrieb einer Gastwirtschaft 1864 durch den Sohn des Spinnerei-Besitzers Johann Andreas Weiß begann die Nutzung des Geländes um den Tullnau-Weiher als Ausflugsort für die Nürnberger Bevölkerung. Das Wirtshaus war im Herrenhaus der Spinnerei untergebracht, das - neben weiteren Gebäuden - nordöstlich des Weihers lag. Auf dem Tullnauweiher konnte man im Sommer Kahnfahren und im Winter Schlittschuhlaufen. Außerdem sorgte Anfang des 20. Jahrhunderts eine Wasserrutsche für Vergnügen: Auf einer Postkarte von 1905 ist diese Anlage, die auch am Valznerweiher und Dutzendteich Station machte, zu sehen: Von einem Turm am Weiherrand führte eine Rutsche ins Wasser. Die Parkbesucher benutzten Holzkähne um darauf in den Weiher hinunterzurutschen. [1]

Nachdem Johann Georg Zeltner auf der Nordseite der Ostendstraße seine neue Brauerei aufgebaut hatte, erwarb er auch das Gasthaus Tullnau als Brauerei-Gaststätte. 1911 reichte er Pläne für einen sehr großzügigen, repräsentativen Neubau mit Terrasse ein, für dessen Verwirklichung der alte Gasthof und die beiden benachbarten Häuser hätten abgerissen werden müssen. Doch dazu kam es nicht, da sein Projekt auf verschiedene Hindernisse stieß. Lediglich die Terrassenanlage erhielt eine Baugenehmigung. Sie wurde nach den Plänen von Zeltner hinter dem „Gasthaus Tullnau“ an einem Hang, der zum Weiher hin abfiel, angelegt und 1926 fertiggestellt. Das dafür verwendete Baumaterial war Eisenbeton. Die Terrassenanlage, die sich stilistisch an die italienische Renaissance anlehnt, bestand aus weitläufig und schwungvoll gestalteten Treppen, einer Pergola (Säulengang), Balustraden und kleine Säulenpavillons. Zur Verzierung kamen noch Skulpturen und ein Brunnen hinzu. Die Figuren waren aus Abensberger Kalkstein gefertigt.[2]

In den 30er Jahren erhielt das Gasthaus zwischenzeitlich den Namen Parkrestaurant Tullnau.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bombentreffer die Zeltner-Brauerei und auch die Terrasse blieb nicht verschont.

Da sie den Ausbau der Ostendstraße im Weg stand, erfolgte 1954 der Abriss der „Gaststätte Tullnau“. Die Terrassenanlage blieb jedoch erhalten.

Das Nürnberger Gartenbauamt gestaltete 1956 das mittlerweile verwilderte Gelände in eine kleine Parkanlage um. Dabei passte es die Terrassenanlage dem Zeitgeist an und „bereinigte“ sie von schmückenden Teilen. Dieser Aktion fiel ein kleiner Säulen-Pavillon, der sogenannte „Königsthron“, zum Opfer. [3] In diesem Jahr erhielt die Terrasse ein Bepflanzung mit verschiedenfarbigen Dahlien und der Park bekam fünf junge Ahornbäume anlässlich des „Tags des Baumes“.

In den Jahren darauf geriet der Tullnaupark wieder in Vergessenheit. Die unter Denkmalschutz stehende Terrassenanlage verfiel immer mehr, sodass Nürnbergs Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR) sie 2010 aus Sicherheitsgründen sperren musste. SÖR erstellte 2012 ein Sanierungskonzept, das mit über einer Million Euro veranschlagt ist. Neben der Stadt Nürnberg sollen Sponsoren die Renovierungsarbeiten finanzieren.

Einzelnachweise

  1. Helmut Beer/Maximilian Rosner: Grüße aus Nürnberg, Nürnberg in Ansichtskarten um 1900 Bd 1 - „Auf dem Weg zur Großstadt“; Ausstellungskatalog des Stadtarchivs Nürnberg (Ausstellung vom 16.1. bis 31.3.1993
  2. Fränkischer Kurier vom 20.5.1926
  3. Nürnberger Nachrichten vom 2.3.1956

Literatur