Parkwohnanlage Zollhaus

Aus Franken-Wiki

Share/Save/Bookmark

1.8/5 (12 Stimmen)

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Parkwohnanlage Zollhaus in Nürnberg war eine der ersten Siedlungen in Deutschland, in denen der Autoverkehr an den Rand gedrängt wurde. Damals gab man sich viel Mühe, Funktionsbauten wie das Heiz- und Waschhaus der Anlage gut aussehen zu lassen.

Überblick

Adresse: Planetenring

Baujahr: ab 1957

Architekt: Gerhard-Günther Dittrich

Artikel in der NZ

Im Rahmen der Serie "Architektur in Nürnberg" veröffentlichte die NZ folgenden Artikel zur Architektur der Parkwohnanlage und des Wohnhauses Neutorgraben Nr. 1.

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

Wohnen in den Fünfzigern: Reizvolle Perspektiven

von André Fischer

In den fünfziger Jahren entstanden außergewöhnliche Wohnhäuser und durchdachte Wohnsiedlungen, die auch heute noch attraktiv sind. Das ist deshalb erstaunlich, weil nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg eigentlich möglichst schnell und möglichst viel Wohnraum gebaut werden sollte. Zwei Beispiele werden stellvertretend für andere Bauwerke hervorgehoben: Das Wohnhaus Neutorgraben Nr. 1 und die Parkwohnanlage Nürnberg Zollhaus.
Die Wohnhausgruppe steht in einer städtebaulichen Situation am höchsten Punkt des Neutorgrabens. Die Nähe und Blickverbindung zur Burg machen diese Situation recht reizvoll. Die Baugruppe ist in zwei Teile gegliedert: Eine fünfgeschossige Bebauung parallel zum Neutorgraben, ein sechsgeschossiger Baukörper entlang der Frommannstraße. Während dieser Gebäudeteil Drei- bis Vier-Zimmer Wohnungen enthält, sind im vorderen Haus Einzimmerappartements und im Erdgeschoss leicht zurückgesetzte Läden untergebracht.
Die markante Hauptfront ist in sechs schmale, giebelständige Einheiten untergliedert, die leicht zueinander versetzt sind. Diese Staffelung führt zu einer Plastizität, die den Eindruck erweckt, hier eine Reihung von schlanken Häusern zu haben. Ein eigenes Satteldach auf jeder Einheit verstärkt diese Wirkung. Weiß gestrichene, schlanke, zweiflügelige Fenstertüren mit Fensterläden betonen diese Gliederung und verhelfen der Fassade zu einer fast italienischen Atmosphäre. Hier wurde für Nürnberg eine ungewöhnlich anmutende Lösung geschaffen.
Der Gebäudeteil an der Frommannstraße ist sehr flächig errichtet. Der sechsgeschossige Baukörper verläuft traufständig zur Straße. Dachneigung und Farbgebung der Putzfläche sind vom Vordergebäude übernommen. Der warme Terracottaton, der gemeinsame Eingang und das Treppenhaus bewirken eine optische Zusammengehörigkeit.
Eingang und Ladezone sind in Sichtmauerwerk ausgeführt. Ein besonderes Detail zeigen gestaltete Ziegel im Eingangsbereich, die auch einen Bezug zum Bauherrn, der fränkischen Ziegelgesellschaft, herstellen.
Die Parkwohnlanlage Zollhaus geht schon auf Überlegungen aus den zwanziger Jahren zurück. Realisiert wurde sie dann ab 1957 von der Eisenbahn-Wohnungsbaugesellschaft Nürnberg sowie der Baugenossenschaft des Eisenbahnpersonals Nürnberg. Die Pläne für das rund 20 Hektar große Gelände, auf dem 4000 Menschen unterkommen sollten, stammen von dem Nürnberger Architekten Gerhard-Günther Dittrich. Die Wohnungen und Häuser sollten ein grünes Umfeld haben, das nicht vom Verkehr gestört wird. Geschwungene Straßenführungen und Wege sorgten für eine aufgelockerte Bebauung. Es gibt einen Skulpturenpark, einen Teich und viele Spielplätze für Kinder. Das Ladenzentrum sowie das Heiz- und Waschhaus sind formschöne und elegante Bauten. Das damalige Pilotprojekt wurde Vorbild für Siedlungen in ganz Deutschland. Die Parkwohnanlage droht, nach dem Verkauf an einen privaten Investor abzurutschen, weil der nötige Unterhalt fehlt.