Paul Wolfgang Merkel

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Paul Wolfgang Merkel in einem Stich von Leonhard Heinrich Hessel, 1806.
Paul Wolfgang Merkel (* 1. April 1756 in Nürnberg; † 16. Januar 1820 in Nürnberg) war ein Handelsherr, Marktvorsteher, Politiker und Kunstmäzen.

Inhaltsverzeichnis

Wirken

Paul Wolfgang Merkel war die bedeutendste politische Persönlichkeit Nürnbergs beim Übergang von der freien Reichsstadt in den bayerischen Staatsverband um 1806. Als Politiker und erstem bürgerlichen Abgeordneten Nürnbergs im bayerischen Ständetag (Landtag) gelang es ihm, die Übernahme der erdrückenden Schuldenlast Nürnbergs durch den bayerischen Staat zu erreichen. Damit waren die wirtschaftlichen Weichen gestellt zum Aufschwung Nürnbergs als bayerische Industriemetropole ab 1830.

Die Verschuldung Nürnbergs zwang den Rat der Stadt im Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert zum Verkauf oder Einschmelzen zahlreicher Kunstschätze. Ebenso verfuhr der bayerische Staat mit Nürnberger Kunst, um die übernommenen Schulden zu lindern. In dieser Situation kaufte Paul Wolfgang Merkel aus seinem Privatvermögen große Mengen historischer Nürnberger Pretiosen auf, um sie vor Vernichtung oder Zerstreuung in alle Welt zu retten. Die Mehrzahl der Sammlungsgegenstände brachten seine Erben in eine Familienstiftung ein und überließen sie dem Germanischen Nationalmuseum als Dauerleihgabe. So ist die Merkelsche Familienstiftung heute der größte private Leihgeber des Museums.

2006 veranstaltete die Stadt Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Nürnberg und der Merkelschen Familienstiftung eine Ausstellung zum 250. Geburtstagsjubiläum Paul Wolfgang Merkels im Stadtmuseum Fembohaus.

Paul Wolfgang Merkel gehörte verschiedenen Gesellschaften und Logen an, darunter dem Pegnesischen Blumenorden.[1]

Ehrungen

  • Merkelsgasse: Hier besaß die Kaufmannsfamilie Merkel früher ihre Gärten.[2]

Literatur

  • Paul Wolfgang Merkel und die Merkelsche Familienstiftung. Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums in Verbindung mit dem Stadtarchiv Nürnberg, 7. April - 20. Mai 1979. Redaktion: Claudia Diemer. Nürnberg: Germanisches Nationalmuseum, 1979, 183 S., 48 Ill.
  • Gerhard Hirschmann: Paul Wolfgang Merkel, Großkaufmann 1756 – 1820. In: Christoph von Imhoff (Hrsg.): Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten. 2., erg. u. erw. Auflage. Nürnberg: Hofmann, 1989, 459 S., ISBN 3-87191-088-0, hier: S. 235 f.
  • Paul Wolfgang Merkel (1756 - 1820). Kaufmann, Reformer, Patriot. Eine Ausstellung des Stadtarchivs Nürnberg und der Museen der Stadt Nürnberg im Stadtmuseum Fembohaus vom 1. April 2006 bis 2. Juli 2006. Stadtarchiv Nürnberg; Stadtmuseum Fembohaus. Redaktion: Michael Diefenbacher. Inhalt: Georg Seiderer. Nürnberg: Tümmels, 2006, 86 S. : Ill., ISBN 3-925002-86-3 (Ausstellungskataloge des Stadtarchivs Nürnberg; Nr. 16)
  • Marco Puschner: Buch über die Handschriften der Welser. Modernisierer mit Sammeldrang. In: Nürnberger Zeitung Nr. 248 vom 23. Oktober 2008, S. 16 - NZ

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Zu Paul Wolfgang Merkels Zugehörigkeit zu Gesellschaften und Logen siehe:
    • G. Stelzner: Paul Wolfgang Merkel (1756-1820). Magisterarbeit (Ms.), Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen, 1989, S. 98 ff.
    • Klaus Tenfelde und Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.): Wege zur Geschichte des Bürgertums. Vierzehn Beiträge. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1994, 353 S., ISBN 3-525-35673-0 (Bürgertum; Band 8), S. 146 - online
  2. Behringer, Hans: Die Straßen unserer Vaterstadt erzählen ihre Geschichte, Nürnberg 1961, S. 146