Radrennbahn des ASN Pfeil

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Die ASN-Rennbahn war Schauplatz vieler internationaler Rennen Eine Radsporthochburg wurde zur Ruine

Ihre schönsten Rennen, darin sind sich viele ehemalige Nürnberger Rad-Asse einig, fuhren sie gegen Olympia-Sieger, Weltmeister und viele deutschen Meister. Und nicht bei »Rund um die Altstadt« oder auf der Piste am Reichelsdorfer Keller. »Die absolute Radsporthochburg war für uns in Nürnberg die ASN-Radrennbahn in Ziegelstein«, erzählt der zwölffache deutsche Meister Fritz Neuser. Doch an diese längst vergessene Hochburg erinnert heute nur noch unscheinbare traurige Ruine, die wie ein kleiner Lärmschutzwall den Fußballplatz des Vereins ASN Pfeil umgibt.

Unkraut quillt seit rund 30 Jahren aus der maroden Betonpiste, und jüngere Radsportfans können sich nur schwer vorstellen, dass hier einst viele Rekorde gefahren und zahlreiche deutsche Meistertitel vergeben wurden. Weshalb die Spitzenfahrer der 1950er-Jahre noch heute von der Radrennbahn in Ziegelstein schwärmen? »Das war in Deutschland eine der schnellsten Betonbahnen, sie war ideal für sämtliche Disziplinen außer Steherrennen«, erinnern sich Neusers einstige Weggefährten Werner Löw, Willi Fuggerer und Bruno Gebhard. Ebenso wie Anton Rottmann, der Radsportpionier des Tourenclubs Nürnberg, waren sie 1949 dabei, als der Veranstalter Hans Heckel zusammen mit dem ASN Pfeil die Radpiste von freiwilligen Helfern rund um den Fußballplatz errichten ließ. 16 000 Kubikmeter Bauschutt, der in den Nachkriegsjahren in Nürnberg reichlich vorhanden war, bildeten den preiswerten Unterbau für die Bahn und die Zuschauerränge.

Unvergessen blieb bis heute die Eröffnung im Mai 1949: Trotz Regens harrten 12 000 begeisterte Zuschauer aus, um Ex-Weltmeister Walter Lohmann, »Sechstage-Kaiser« Gustav Kilian und die Nürnberger Lokalmatadoren Karl Kittsteiner, Georg Umbenhauer und Georg Voggenreiter zu sehen. Die erste Ehrenrunde auf der neuen Bahn fuhr der Herpersdorfer Karl Kittsteiner als Sieger des ersten Steher-Laufes.

Er erinnert sich noch genau an seine Starts in Ziegelstein: »Für die Steher musste der Rollenabstand an den Motoren vergrößert werden und die Übersetzung der Fahrer war vorgeschrieben, um die Geschwindigkeit zu begrenzen, denn die ASN-Bahn war nur sechs Meter breit und hatte nur 20 Grad Kurvenüberhöhung. Da waren die Steherrennen schon gefährlich, erinnert sich Karl Kittsteiner, der 1954 auf der ASN-Bahn schwer stürzte. »Ich hatte Glück und schleuderte in den Rasen, doch mein Schrittmacher flog mit der schweren Maschine in die Zuschauer, es gab damals mehrere Schwerverletzte.«

Dieser schlimme Unfall war der Grund, danach auf der ASN-Bahn keine Steherrennen mehr durchzuführen. Doch die Sprinter, die Verfolger und die Mannschaftsfahrer waren bei zahlreichen Länderkämpfen, deutschen Meisterschaften und vor allem bei den Mittwochabend-Rennen in ihrem Element. Absoluter Höhepunkt in der kurzen Geschichte der Ziegelsteiner 400-m-Piste waren die deutschen Bahnmeisterschaften 1954, bei denen es 10.000 begeisterte Zuschauer von den Sitzen riss, als die beiden Herpersdorfer Fritz Neuser und Werner Löw in einem rasanten Finallauf den Meistertitel auf dem Tandem holten.

Bis in die 1960er-Jahre herrschte auf der »ASSN«, wie man die Rennbahn liebevoll nannte, stets reger Betrieb, während die Steher weiterhin »am Keller« erfolgreich waren. Das änderte sich, als 1967 die Reichelsdorfer Rennbahn umgebaut und renoviert wurde. Als auch die Mittwochabend-Rennen in Reichelsdorf ausgetragen wurden, zogen sich die Radsportler endgültig aus Ziegelstein zurück. »Mir tut das richtig weh, wenn ich den Schauplatz meiner größten sportlichen Erfolge heute als traurige Ruine sehe«, gesteht Ex-Meister Werner Löw, der die meisten seiner Siege auf der schnellen ASN-Bahn erkämpfte. Manfred Marr (Aus Nürnberger Zeitung vom 1.August 2005)

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