Reichelsdorfer Keller

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Steher-Rennen am Reichelsdorfer Keller.
Historische Aufnahme eines Rennens am Keller.


Die Radrennbahn Reichelsdorfer Keller im Nürnberger Stadtteil Reichelsdorf heißt bei den Nürnbergern nur „der Keller“.

Inhaltsverzeichnis

Zum Namen

Der Name „Reichelsdorfer Keller“ des südlich von Reichelsdorf gelegenen Stadtteils stammt von dem 1885 im Wald am Fuchsberg angelegten und zur Gemarkung Katzwang gehörenden Bierkeller der Reichelsdorfer Brauerei Schalkhauser.

Zur Geschichte

Der seit seiner Eröffnung 1885 beliebte Sommerkeller erlebte den großen Aufschwung durch den Bau der Radrennbahn „Reichelsdorfer Keller“ im Jahre 1904, für den die Brauerei zunächst den Grund zur Verfügung stellte.

Diese Rennbahn erfreute sich besonders in den Anfangsjahren des Jahrhunderts großer Beliebtheit. Bei dem sogenannten Stehersport bewegt sich der Fahrer mit seinem Rad unmittelbar hinter einem Motorrad an einer Rolle, die er bestmöglichst nicht verlässt, um den Windschatten zu nutzen und kräfte zu sparen. Wenn „am Keller“ die Steher mit rund 90 km/h um die Piste donnerten, drängelten sich regelmäßig bis zu 15.000 begeisterte Zuschauer. Der Grund für den großen Andrang: Alles was Rang und Namen im damals sehr populären Bahnradsport hatte, war auf der Nürnberger Rennbahn am Start.

Lokalmatadore

Nachdem in den 1960er Jahren die große Zeit der Profi-Steher vorbei war, waren es die Amateure aus der Region, die als Schrittmacher und Steher die Fans begeistern. Ab 1968 holten Horst Gnas, Horst Duschl, Gerhard Duschl, Klaus Burges und Roland Renn drei WM- und acht Deutsche Meistertitel.

Als ehrgeizige Lokalmatadore traten außerdem Helmut Kiesel, Axel Hassler, Ingo Wolf, Aurel Siegel, Felix Wolf und Mario Vonhof kräftig in die Pedale. Einen Bahn-Sprinter von Weltklasseformat hatte Nürnberg in den 80-er-Jahren des vorigen Jahrhunderts: Gerhard Scheller wurde Vize-Weltmeister über 1000 Meter und elffacher Deutscher Meister.

Bekannte Fahrer

Neben den unvergessenen Weltklasse-Sprintern Thorwald Ellegaard (Dänemark), Frank Kramer (USA) und Walter Rütt (Deutschland) waren vor allem die Steher auf der 400-Meter-Piste die ganz großen Stars: Zunächst die Weltmeister Tadäus Robl (München), Louis Darragon, Paul Guignard (beide Frankreich) und Victor Linart (Belgien) und später in den 30-er-Jahren die bis heute unvergessenen deutschen Steherweltmeister Walter Sawall, Erich Möller, Erich Metze und Walter Lohmann. Nach dem zweiten Weltkrieg zogen die Lokalmatadore Georg Umbenhauer, Fritz Scheller, Georg Voggenreiter, Hans Mlady, Karl Kittsteiner, Lothar Schiller und Heinz Jakobi die Radsportfans zur Rennbahn.

Ausweichquartier

Rund 20 Jahre lang war neben der Piste „am Keller“ die Radrennbahn des ASN Pfeil in Ziegelstein, die 1949 von den Nürnberger Radsportvereinen erbaut wurde, als zweite Rennbahn sehr beliebt. Stets gut besucht waren dort bis 1967 die traditionellen Mittwochabend-Rennen, mit rasanten Zweier-Mannschaftsrennen und den Wettbewerben der Verfolger und Sprinter. Inzwischen wurde der Betrieb eingestellt.

Literatur

  • Helmut Beer: Grüße aus Nürnberg 2: „Ereignisse, Feste, Freizeit“. Nürnberg in Ansichtskarten um 1900. Ausstellung vom 11. Dezember 1993 bis 31. März 1994. Nürnberg, 1993, 232 S., ISBN 3-921590-13-2 (Ausstellungskatalog des Stadtarchivs Nürnberg, Band 8)
  • Bernd Windsheimer: Der Reichelsdorfer Keller. In: Hermann Vogel von Vogelstein (Hrsg.): Reichelsdorf - 700 Jahre jung, Reichelsdorf, Mühlhof, Krottenbach. Ein Heimatbuch. Nürnberg, 1998, 256 S.; hier: S. 136-141

Siehe auch

Weblinks