Robert Fritzsch

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Robert Fritzsch (* 29. Oktober 1928 in Nürnberg) war von 1973 bis 1993 Leitender Direktor der Stadtbibliothek Nürnberg. Er ist Buchautor und lebt in Schwaig bei Nürnberg.

Dr. Robert Fritzsch
Foto: Thomas Kohl, Hersbrucker Zeitung

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Herkunft

Robert Fritzsch wurde als erster Sohn des in den letzten Kriegswochen 1945 an der Ostfront gefallenen Malermeisters Heinrich Fritzsch und seiner Ehefrau Katharina, geb. Neupert, in Nürnberg geboren. (1)

Schule, Studium und Promotion

Nach achtjährigem Besuch der Oberrealschule in Nürnberg und Liegnitz / Niederschlesien legte Robert Fritzsch im Juni 1948 in Nürnberg die Reifeprüfung ab. Anschließend studierte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Bamberg Germanistik, Literaturgeschichte, Deutsche Philologie und Geschichte, nebenher auch Kunst- und Musikgeschichte. Eigentlich wäre er lieber Musikwissenschaftler geworden. Aber nach dem Krieg war ein Brotberuf lebenswichtig.

Deshalb stand er seit Herbst 1952 in Stuttgart bzw. Nürnberg in der volksbibliothekarischen Ausbildung. 1954 erwarb er mit der Bibliothekarsprüfung das Diplom als Diplom-Bibliothekar.

Bereits 1953 wurde er bei Professor Heinz Otto Burger an der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen mit einer Dissertation über Die Beziehungen zwischen Mann und Frau bei Emil Strauß zum Dr. phil. promoviert. Korreferent war Professor Friedrich Stroh. Die mündliche Prüfung fand am 24. Juli 1953 statt. (1)

Ehe und Familie

Robert Fritzsch war verheiratet. Er lebt in Schwaig bei Nürnberg.

Beruflicher Werdegang

Ab 1955 sammelte Robert Fritzsch als Diplom-Bibliothekar in der Volksbücherei am Gewerbemuseumsplatz in Nürnberg seine ersten beruflichen Erfahrungen. 1961 erhielt er einen Ruf an die Stadtbibliothek Kassel, wo er der jüngste Großstadt-Bibliotheksleiter war. 1967 kehrte er nach Nürnberg zurück und wurde Direktor der Stadtbücherei Nürnberg, einer Art Volksbücherei. Er erhielt die Aufgabe, zwecks Leistungssteigerung und zeitgemäßem Ausbau die alte Stadtbibliothek mit der Stadtbücherei zu vereinen.

1973 wurden dann alle städtischen Bibliotheken unter dem traditionsreichen Namen Stadtbibliothek Nürnberg organisatorisch vereinigt.

Mit der Zusammenlegung der Stadtbibliothek Nürnberg und der Stadtbücherei Nürnberg am 1. Januar 1973 wurde Robert Fritzsch zum Leitenden Bibliotheksdirektor der Stadtbibliothek Nürnberg ernannt und zog in das Chefzimmer im zweiten Stock des Pellerhauses ein. Damit wurde er der unmittelbare Dienstvorgesetzte für über hundert städtische Bibliothekare.

Als Robert Fritzsch 1993 in den Ruhestand ging, würdigte die Schul- und Kulturreferentin Karla Fohrbeck seine Verdienste: Die Stadtbibliothek sei unter seiner Leitung zur meistbesuchten und beliebtesten Kultur- und Freizeiteinrichtung der Stadt Nürnberg geworden. Mit seinen 140 Mitarbeitern habe Fritzsch im Jahre 1992 mit rund 350.000 Besuchern und 1,2 Millionen ausgeliehenen Büchern "Traumzahlen" erreicht.

Der Schwabacher Oberbürgermeister Hartwig Reimann als Vertreter des Bayerischen Bibliotheksverbandes stellte fest, dass die Bibliothek zu den wehrlosen Einrichtungen gehöre, wenn es um Geld gehe, da sie keine ausreichende Lobby besitze.

Als Zukunftspläne nannte Robert Fritzsch: Bergwanderungen, Reisen, ein Studium der Kunstgeschichte, Veröffentlichungen und Lesen.

Ehrenamtliches Engagement

Robert Fritzsch war von 1970 bis 1973 Vorstandsmitglied des Deutschen Bibliotheksverbandes. (2) Er ist Mitglied im Geschichts- und Kulturkreis Schwaig-Behringersdorf.

Der Autor

Robert Fritzsch ist insbesondere durch seine drei Werke über "Nürnberg im Dritten Reich" weithin bekannt geworden: "Nürnberg unterm Hakenkreuz. Im Dritten Reich 1933 -1939 Nürnberg im Krieg". "Im Dritten Reich 1939 - 1945" und "Nürnberg Stadt der Reichsparteitage". Als 1983 der erste Band erschien, ließ es sich Oberbürgermeister Dr. Andreas Urschlechter nicht nehmen, bei der Buchpräsentation durch den Droste-Verlag dabei zu sein.

Veröffentlichungen

Dissertation

  • Die Beziehungen zwischen Mann und Frau bei Emil Strauß. Universität Erlangen, Philosophische Fakultät, Dissertation vom 16. September 1953. - o. O., 1953, 148 gez. Bl. [Maschinenschrift]

Monographien

  • Nürnberg im Dritten Reich. Bilder, Bücher, Dokumente. Stadtbibliothek Nürnberg. [Katalog]. Nürnberg: Stadtbibliothek, 1979, 78 S. (Ausstellungskatalog der Stadtbibliothek Nürnberg ; Nr. 90)
  • Nürnberg unterm Hakenkreuz. Im Dritten Reich 1933 - 1939. Düsseldorf: Droste, 1983, 109 S., ISBN 3-7700-0627-5 (Fotografierte Zeitgeschichte)
    • Rezension von Rainer Hambrecht: Robert Fritzsch: Nürnberg unterm Hakenkreuz. Im Dritten Reich 1933 - 1939. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN), Band 70, 1983, S. 409-410 - MVGN
  • Nürnberg im Krieg. Im Dritten Reich 1939 - 1945. Düsseldorf: Droste, 1984, 111 S., ISBN 3-7700-0645-3 (Fotografierte Zeitgeschichte)
    • Rezension Georg Wolfgang Schramm: Robert Fritzsch: Nürnberg im Krieg. Im Dritten Reich 1939-1945. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN), Band 71, 1984, S. 305-306 - MVGN
  • Als Nürnberg Stadt der Reichsparteitage hieß. Ereignisse, Personen, Schauplätze. Nürnberg: Hofmann, 1991, 215 S., ISBN 3-87191-165-8 (Nürnberger Erinnerungen, Band 5)
    • Rezension von Udo Winkel: Robert Fritzsch: Nürnberger Erinnerungen 5. Als Nürnberg Stadt der Reichsparteitage hieß. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN), Band 79, 1992, S. 228-229 - MVGN
  • Eisenbahnen im Pegnitztal - Eisenbahngeschichte rechts und links der Pegnitz (EK-Reihe Regionale Verkehrsgeschichte Band 37). (Bearb./Gestaltung: Hans-Peter Günther). Freiburg (Breisgau): EK-Verlag (Eisenbahn-Kurier Verlag), 2003, 144 S., ISBN 3-88255-454-1 - [Aus dem Inhalt: Die linke Pegnitzstrecke. Die Planung der Ostbahn-Strecke. Der Bau der Ostbahn-Strecke. Die Bahnhöfe der Ostbahn-Strecke. Der Betrieb auf der Ostbahn-Strecke. Die rechte Pegnitzstrecke. Die Planung der rechten Pegnitzstrecke. Der Bau der rechten Pegnitzstrecke. Die Bahnhöfe der rechten Pegnitzstrecke. Die Pegnitzstrecken in der Zeit der Bayerischen Staatsbahnen (1877-1920). Die Nebenbahn Schnaittach - Simmelsdorf-Hüttenbach (bis zur Gegenwart). Die Nebenbahn Ranna - Auerbach (bis zur Einstellung). Die Pegnitzstrecken in der Zeit der Deutschen Reichsbahn (1920-1949). Die Pegnitzstrecken in der Zeit der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Bahn AG. Von der frühen Deutschen Bundesbahn bis zum Beginn des Eisenbahnjahres (1949-1985). Vom Eisenbahn-Jahr bis zur Gegenwart (1985-2000). Die Pegnitzstrecken heute. Quellen und Literatur. Nachweise. Die Pegnitzstrecken in Farbaufnahmen]. [1]
    • Eisenbahngeschichte rechts und links der Pegnitz - Buchvorstellung im Laufer Wenzelschloss. Der Autor und sein Werk - Dr. Robert Fritzsch präsentierte am 22. Februar das Buch Eisenbahnen im Pegnitztal. In: Hersbrucker Zeitung vom 28. Februar 2003 - im Netz
    • Rezension Peter J. Flaskamp: Irgendwo im Nirgendwo. Fritzsch, Robert: Eisenbahnen im Pegnitztal. Eisenbahngeschichte rechts und links der Pegnitz. In: Dumjahn's Bahn-Rezensionen - im Netz

Artikel im Stadtlexikon Nürnberg

  • Musikbibliothek, Privatbibliotheken, Ratsbibliothek, Stadtbibliothek, Verwaltungsbibliothek und Volksbücherei. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999 - im Netz

Wissenschaftliche Aufsätze (Auswahl)

  • Das Bild des Menschen im Roman der Gegenwart. Versuch einer Typologie. In: Welt und Wort, Nr. 9 (1954), S. 400-402
  • Stadtbibliothek - Stadtbücherei. Entwicklung und Problematik eines unverbundenen kommunalen Bibliothekswesens. In: Hansjörg Süberkrüb und Klaus-Dietrich Hoffmann (Hrsg.): Öffentliche Bibliothek heute, Werkstattberichte; [Rudolf Joerden, dem früheren Direktor der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen, zum 70. Geburtstag] Berlin: Deutscher Büchereiverband, 1971, 179 S.; hier: S. 57-65
  • Ein wiederaufgebautes Klostergebäude wird zum Erweiterungsbau der Nürnberger Zentralbibliothek. In: Bibliotheks-Forum Bayern 11, 1983, S. 200-206
  • Die Stadtbibliothek Nürnberg. Anmerkungen zu ihrer Gegenwart und (mutmaßlichen) Zukunft. In: Bibliotheksforum Bayern 12 (1984) 2, S. 100 f.
  • Entnazifizierung. Der fast vergessene Versuch einer politischen Säuberung nach 1945. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B24/ 10. Juni 1972, S. 11-30
  • Hans Hugelmann (1903-1984). In: Buch und Bibliothek 36 (1984) 9, S. 705
  • Rezension von Robert Fritzsch: Peter Szyszka: Zeitungswissenschaft in Nürnberg (1919 - 1945). Ein Hochschulinstitut zwischen Praxis und Wissenschaft. Zugleich: Universität Münster (Westfalen), Dissertation. Nürnberg: Verlag der Kommunikationswissenschaftlichen Forschungsvereinigung, 1990, 373 S.; ISBN 3-921453-30-5 (Kommunikationswissenschaftliche Studien; Band 8). In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN), Band 78, 1991, S. 226-227 - MVGN
  • Die Musikbestände und die Musikabteilung der Stadtbibliothek Nürnberg. In: Bibliotheksforum Bayern 20 (1992), S. 246-254

Literatur

  • Fritzsch, Robert, Dr. phil., Dipl.-Bibl.. In: Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken, Band 54, 1991
  • Reiner Weiß: AZ-Gespräch mit Dr. Robert Fritzsch, Chef der Nürnberger Stadtbücherei. Diskothek in der Burg. In: Abend-Zeitung vom 4. März 1969 (mit Foto)
  • Namen im Gespräch. Amtseinführung von Dr. Robert Fritzsch als Direktor der Stadtbibliothek. In: Nürnberger Nachrichten vom 16. Januar 1973 (Foto mit Kulturreferent Dr. Hermann Glaser)
  • Armin Fiedler: Der 730000-Bücher-Job. Leitender Bibliotheksdirektor Dr. Robert Fritzsch. Foto: Guttenberger. In: Nürnberger Zeitung vom 1. Mai 1979
  • Nürnberg unterm Hakenkreuz von Dr. Fritzsch vorgestellt. Vom Alltag zur Diktatur. In: Nürnberger Zeitung vom 23. März 1983 (Foto von Guttenberger: mit OB Dr. Andreas Urschlechter)
  • aku: Direktor verabschiedet. Bücherei wurde ein Renner. Foto: Gerullis. In: Nürnberger Zeitung vom 30. September 1993 (Foto mit Kulturreferentin Dr. Karla Fohrbeck)

Siehe auch

Weblinks

  • Stadtbibliothek Nürnberg - im Netz

Einzelnachweise

(1) Robert Fritzsch: Lebenslauf. In: Robert Fritzsch: Die Beziehungen zwischen Mann und Frau bei Emil Strauß. Universität Erlangen, Philosophische Fakultät, Dissertation vom 16. September 1953. o. O., 1953

(2) Dr. Robert Fritzsch, Nürnberg, 1970 - 1973, Deutscher Bibliotheksverband e.V. Vorstandsmitglieder des DBV - DBV