Roland Böller

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Roland Böller
Foto: Roland Fengler/NZ

Roland Böller ist Schwimmtrainer der SSG 81 Erlangen. Seine erfolgreichste Schwimmerin war Hannah Stockbauer, die fünf Weltmeistertitel errang. Außerdem hat bei ihm Teresa Rohmann trainiert, die er zu den Olympischen Spielen 2004 nach Athen brachte. Derzeit erfolgreichste Athleten von Böller sind Daniela Götz und Andreas Lösel.











Artikel in der NZ

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

Roland Böller
Foto: Roland Fengler/NZ
"Roland Böller zum Karriereende der fünffachen Schwimm-Weltmeisterin:
»Ich habe Verständnis für Hannahs Rücktritt«
 »Sie war meine erste Sportlerin, die internationale Medaillen geholt hat.« Im NZ-Gespräch blickt Roland Böller auf die Karriere von Hannah Stockbauer zurück, die er zwölf Jahre lang als Trainer begleitet hat. Und der 36-jährige Coach, der auch dem DSV-Trainerstab angehört, zeigt auf, wie es bei der SSG 81 Erlangen und in seinem Leben weitergehen könnte.


NZ: Herr Böller, hat Sie die Entscheidung von Hannah Stockbauer überrascht, ihre Karriere zu beenden?
Böller: Nein. Das ist ja auch kein spontaner Entschluss gewesen. Dieser Gedanke ist über die letzten Wochen gereift. Und ich wusste, dass sie mit dem Gedanken spielt aufzuhören. Ich wusste vorher auch, wann sie den Entschluss mitteilt.
NZ: Bedauern Sie die Entscheidung?
Böller: Ich finde es schade, dass sie diesen Weg geht, weil sie eine sportliche und menschliche Lücke hinterlässt. Für den Schwimmsport ist es bestimmt nicht die beste Entscheidung. Ich habe aber großes Verständnis für diesen Schritt. Hannah ist fast zehn Jahre auf einem hohen Niveau geschwommen. Als Außenstehender versteht man vielleicht gar nicht, was da alles dahintersteckt.
NZ: Haben Sie versucht, Hannah Stockbauer noch einmal umzustimmen?
Böller: Wir hatten auch in der Zeit, in der Hannah keine Wettkämpfe geschwommen ist, Kontakt und geplaudert. Als sie mir ihren Entschluss mitgeteilt hat, habe ich nicht gesagt: ,Überleg noch mal!' Es wäre ein falscher Ansatz gewesen, sie drängen zu wollen. Wenn sie weitergemacht hätte, hätte sie hinter dieser Entscheidung stehen müssen.
NZ: Versuchen Sie, Hannah Stockbauer in einer anderen Form bei der SSG 81 Erlangen einzubinden?
Böller: Das ist Zukunftsmusik. Natürlich steht die Tür für sie im Verein immer offen.
NZ: Auch Jana Henke hat am vergangenen Wochenende ihr Karriereende bekannt gegeben. DSV-Teamchef Ralf Beckmann sprach danach davon, dass es auf den langen Freistilstrecken »eine große Lücke« geben werde. Gibt es nach Stockbauers Rücktritt auch bei der SSG 81 Erlangen eine große Lücke?
Böller: Nein, die gibt es nicht. Ich fände es schlimm, wenn man als Verein von einzelnen abhängig wäre. Es ist immer wichtig, dass man mehrere Leistungsträger hat. Aber natürlich ist eine Lücke entstanden, natürlich fehlt uns Hannah.
NZ: Ihre weiteren Leistungsträger sind Teresa Rohmann und Daniela Götz. Rohmann konnte wegen einer Schulterverletzung im Juli nicht mit zu den WM nach Montreal fliegen. Wie geht es ihr inzwischen?
Böller: Teo trainiert seit sieben Wochen wieder. Wir machen schon einiges, aber noch nicht volle Belastung. Wir werden nach und nach die Belastungen steigern, aber langsam. Ob sie an der Kurzbahn-DM teilnimmt und konkurrenzfähig ist, werden wir sehen. Das ist aber auch zweitrangig. Dass der Arm in Ordnung kommt, ist das Einzige, was zählt.
NZ: Wird Sie womöglich die gesamte Saison noch ausfallen?
Böller: Wenn der Winter vorbei ist, sollte die Verletzung schon ausgestanden sein. Das ist meine Hoffnung. Die EM im nächsten Jahr haben wir schon sehr fest im Kopf.
NZ: Die Ärtzte hatten bei Teresa Rohmann eine Entzündung der Rotatorenmanschette, verbunden mit kleinen Einrissen der Sehnen, diagnostiziert. Inwieweit ist diese Verletzung inzwischen geheilt?
Böller: Sie ist ausgeheilt. Jetzt geht es darum, die Schulter durch Rehamaßnahmen so stabil zu bekommen, dass die Probleme nicht mehr auftreten. Die Physiotherapeuten sind optimistisch, dass es gelingen wird. Die Ursache war eine Instabilität der Schulter, eine Folge der enormen Belastung. Es ist jetzt aber nicht so, dass wir uns um ihre Zukunft große Sorgen machen müssen: weder die Ärzte tun dies noch die Physios noch ich. Es gibt auch andere prominente Schwimmer, die Probleme mit der Schulter hatten, diese aber in den Griff bekommen hatten, wie Franziska van Almsick.
NZ: Teresa Rohmann ist 18 Jahre und hat in diesem Jahr die Hauptschule abgeschlossen. Wird sie nun Vollprofi?
Böller: Teo wird eine Lehre anfangen, sogar noch in diesem Jahr. Sie erhält dabei aber alle Freiheiten für Trainingslager und Wettkämpfe.
NZ: Apropos Trainingslager: Steht in diesem Jahr noch eins an?
Böller: Wir wollten im September/Oktober nach Südafrika fliegen. Das wäre eine Maßnahme des DSV gewesen. Das ist aber leider mangels Beteiligung ausgefallen. Deshalb trainieren wir jetzt zu Hause in Erlangen. Unser erstes Trainingslager in dieser Saison ist im Januar, zwei Wochen in Südafrika. Im April/Mai geht es dann nach Florida und Flagstaff. Sieben Wochen später sind die Deutschen Meisterschaften und bereits fünf Wochen später die EM. Dieser kurze Abstand ist sicherlich ein Experiment. Das Fernsehen hat uns den Termin für die DM vorgegeben.
NZ: Wie läuft es bei Daniela Götz, die in der zweiten Saison bei Ihnen trainiert?
Böller: Das Training läuft gut. Sie ist aber an der Grenze der Belastbarkeit angekommen. Was das Mädel leistet, davor kann man nur den Hut ziehen. Sie ist in der Schule sehr eingespannt. Im Training kann sie es aber nicht lockerer angehen: Ohne diese Trainingsbelastung wird sie das letzte Stück zur Weltklasse nicht schaffen. Es gibt deshalb keine Alternative zu hartem Training. Die Schule zeigt sich sehr kooperativ. Sie hat auch den Leistungskurs Sport gewählt. Aus den gegebenen Umständen versuchen wir jetzt, die nächsten Schritte zu gehen. Bei der WM hat sie ja schon angedeutet, welches Potenzial in ihr steckt.
NZ: Wo sehen Sie bei Daniela Götz noch Verbesserungspotenzial?
Böller: Es fehlen schon noch gewisse Qualitäten. Es ist ja auch gut so, dass man weiß, woran man arbeiten muss, um die Dinge voranzutreiben. Was sie motiviert hat zu mehr, ist sicherlich, wie knapp sie bei der WM an einer Einzelmedaille dran war. Das war nur ein Wimpernschlag.
NZ: Wie sieht eigentlich Ihre persönliche Zukuftsperspektive aus?
Böller: Bis 2008 ist in Erlangen alles in trockenen Tüchern. Siemens mit dem Sponsorenpool und ich können uns aber vorstellen, dass es kein zeitlich befristetes Modell ist. Beide Seiten sind sehr zufrieden miteinander.
NZ: Ihren größten Erfolg, Hannah Stockbauer in die Weltspitze zu bringen, haben Sie vermutlich schon hinter sich. Zeit für eine neue Aufgabe?
Böller: Ich bin gerne in Erlangen und habe hier auch ein gutes Auskommen. Ich bin keiner, der pokert, wenn ein anderer ein paar Euros mehr zahlt. Ich will aber schon das Gefühl haben, etwas zu bewegen und voranzukommen, weil ich ein ehrgeiziger Mensch bin. So lange das gegeben ist, macht es riesig Spaß und es gibt keinen Grund wegzugehen. Ich hätte dabei auch kein Problem, eine Gruppe zu trainieren, die sich auf eine bayerische Jahrgangsmeisterschaft vorbereitet. Wichtig ist nur, dass die Sportler mitziehen.
NZ: Was hat Sie in all Ihren Trainerjahren am meisten überrascht?
Böller: Ich habe vor zehn Jahren gedacht, dass man ohne Doping nicht in der Weltspitze schwimmen kann. Meine größte Genugtuung ist, dass wir es widerlegt und gezeigt haben, dass es machbar ist.
Fragen: Markus Kaiser"
(Aus: Nürnberger Zeitung vom 15. Oktober 2005)


Weblinks

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