Schafkopf

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Foto: Gerullis/NZ

Das Schafkopf-Spiel ist das auch in Franken vorherrschende Kartenspiel für Kartel-Enthusiasten.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Anders als in der Oberpfalz, wo auch die „kurze“ Variante mit sechs Karten pro Spieler gepflegt wird, ist in Franken der „lange“ Schafkopf der Normalfall. Eine große Ähnlichkeit besteht zum Doppelkopf, der aber mit zwei Sätzen Spielkarten gespielt wird. Wegen der großen Beliebtheit tragen viele Schafkopfkarten eigene fränkische Bezeichnungen, die zum Teil in unserem Fränkisch-Wörterbuch erklärt werden.

Schafkopf ist ein Spiel, bei dem man Köpfchen braucht, allerdings spielt auch das Glück eine gewisse Rolle. In jedem Fall können die Emotionen bei einer engagiert geführten Schafkopf leicht hochkochen. Ein beliebter Spruch dabei lautet „Geh' doch in die Kartel-Akademie nach Weinzierlein!" Woher die Verortung einer solchen Einrichtung in diesem kleinen Ort kommt, ist allerdings ungeklärt.

Überblick über die Regeln

Mitspieler

Schafkopf wird im Allgemeinen zu viert gespielt. Es ist auch eine Dreier-Variante möglich, allerdings sind dann nur noch Solo-Spiele möglich. Sitzen fünf Spieler am Tisch, muss immer der Karten-Geber aussetzen. Gelegentlich ist es üblich, dass ein „Standby-Spieler“ andere vertritt, die eben einmal austreten. Dieser wird in Franken allgemein als „Brunzkaddler“ bezeichnet.

Karten, Reihenfolge, Trumpffarbe

Verwendet wird ein „Deutsches Blatt“ ohne Sechser, also mit 32 Karten. Jeder Spieler erhält acht Karten. Die höchsten Trümpfe sind die Ober in der Reihenfolge Eichel-Grün-Herz-Schellen, danach folgen die Unter. Die anderen Karten haben folgende Reihenfolge: Ass-Zehn-König-Neun-Acht-Sieben. Ein Ass zählt 11 Augen, ein Zehner 10, ein König 4, ein Ober 3, ein Unter 2. Sieben, Acht und Neun zählen nichts und werden deshalb auch als „Nixer“ bezeichnet. Wird kein Solo gespielt, ist Rot automatisch die Trumpffarbe.

Spieler-Nichtspieler, Partnersuche, Solospieler

Wenn jeder Spieler seine Karten erhalten hat, folgt als erstes die Partnerwahl. In der Spielreihenfolge nach dem Geber wird gefragt, ob ein Spieler das Spielrecht für sich beansprucht. Ist dies der Fall, so kann diese Ansage nur noch von einem anderem Spieler, der ein Solo ansagt, überboten werden. Der Spieler, der ein Farbenspiel angesagt hat, kann dann die Farbe seines Partners bestimmen, das heißt, er spielt mit dem Spieler, der das Ass in der angesagten Farbe besitzt. Die Besonderheit dabei ist, dass die Partner oft erst nach mehreren Spielzügen wissen, mit wem sie spielen. Geklärt wird dies, wenn die Ass der betreffenden Farbe angespielt, also „gerufen“ wird. Vorher darf diese As nicht als erste Karte gespielt werden.

Spielverlauf

Schafkopf ist ein Stichspiel, bei dem die höhere die niedrigere Karte sticht. Der Spieler links vom Geber hat das erste Anspielrecht, danach immer derjenige, der den Stich gemacht hat. Die Mitspieler sind verpflichtet, Farbe zu bekennen und auch die Trumpffarbe zu bedienen, falls sie Karten in den entsprechenden Farben besitzen. Gewinner ist die Partei der Spieler oder der Solospieler, wenn sie/er am Schluss mindestens 61 Punkte hat, die Partei der Nichtspieler, wenn sie mindestens 60 Punkte hat.

Solospiel

Ist ein Spieler der Ansicht, sein Blatt ist stark genug für ein Solo, dann kann er als Solist gegen die drei anderen Spieler antreten. Er kann dann auch den Spielwunsch eines anderen nach einem Partnerspiel überstimmen. Der Solospieler hat auch das Recht, eine andere Trumpffarbe als Rot zu bestimmen. Eine besondere Form des Solos ist der „Wenz“, bei dem nur die Unter Trumpf sind und der stark dem Grand beim Skat ähnelt. Jenseits des allgemein üblichen Regelwerks bestehen auch noch Varianten wie der „Geier“, bei dem nur die Ober Trumpf sind. Ein Solo, bei dem der Spieler ansagt, alle Stiche machen zu wollen, nennt man einen Tout.

Abrechnung

Üblicherweise wird beim Schafkopf direkt abgerechnet und ausgezahlt, wenn um (meist niedrige) Geldbeträge gespielt wird. Eine oft geübte Variante ist das „Legen“, das heißt, ein Spieler kann mit den ersten vier Karten auf der Hand den Spielwert verdoppeln. Wie beim Skat besteht auch die Möglichkeit, Kontra zu geben und dieses auch zurückzugeben. Beim Schafkopf spricht man dabei aber vom „Spritzen“. Ist eine Partei „Schneider“, also hat sie weniger als 31 Augen, dann verdoppelt sich der Wert auch. Geht eine Partei sogar komplett leer aus, verdoppelt sich der Wert noch einmal.

Varianten

Falls sich kein Spielwilliger bei einer Runde findet, werden gerne Varianten gespielt: So etwa der Ramsch, bei dem der Spieler mit den wenigsten Augen gewinnt, oder der Kreuzbock, bei dem die Spieler über Kreuz Partner sind und bei dem der Wert doppelt so hoch ist wie bei einem normalen Spiel. Weniger üblich ist die „Schieberrunde“, bei der die „Hochzeit“, also der Eichel- und Grünober, reihum herumgeschoben wird.

Strategie

Normalerweise wird ein Spieler vor allem Trümpfe ausspielen, während Nichtspieler meist Farben anspielen. Es ist selbstverständlich, dass man seinen Partner mit möglichst viel Augen bedient, was als „Schmieren“ bezeichnet wird. Hohe Trümpfe sollte man möglichst schnell ins Spiel bringen, weil sie zu späten Zeitpunkten oft nicht mehr viel einbringen. Optimal nutzt man sein Blatt aus, wenn man sich auf die Stärken oder Schwächen des Partners konzentriert. Dazu gehört allerdings eine Menge Übung, denn man darf ja nicht preisgeben, welche Karten man auf der Hand hat. Hier helfen nur genaue Beobachtungsgabe und ein gutes Gedächtnis für die Punktstände und die schon gespielten Trümpfe und Farben.

Fränkische Bezeichnungen

Die Farben der Asse werden oft folgendermaßen verändert: Eichel-Ass: Die Alte; Grün-Ass: Die Blaue; Herz-Ass: Die Rote; Schellen-Ass: Die Runde, Der Hund hockt droben oder die Brechodelmannsquatschn.

Literatur

  • Peter Trumpf: Kartenspiele und Spielkarten, Heyne Verlag, 1958
  • Adolf Schwammberger: Kartenspiele. In: Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z. Ein Geschichtslexikon. Fürth: Selbstverlag der Stadt Fürth, 1968, S. 193 (mit Fachausdrücken und Redewendungen in fränkischer Mundart)
  • Wolfgang Peschel: Bayerisch Schaffkopfen, München, ca. 1990, ISBN 978-3924012311 (Lt. Ansicht des Verfassers lautet die korrekte Schreibweise „Schaffkopfen“, weil das Kartenspiel ursprünglich auf einem Fass („Schaff“) gespielt wurde.) [1]

Siehe auch

Weblinks