Schwanzen

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Schwanzen, gar nicht anzüglich gemeint, war und ist in Franken das Synonym für ausspielen.

Inhaltsverzeichnis

Zum Begriff und seiner Bedeutung

Eine Schwanzkist’n war einst jemand wie der Schalker Stan Libuda oder der Frankfurter Jürgen Grabowski, die auf ihren Außenbahnen die Verteidiger schwindlig spielten – oder am Abwehrspieler hängen blieben. Heute findet vor allem bei den Mittelfeldspielern so genannte Schwanzer, siehe Diego, die ihre Gegenspieler als Slalomstangen benutzen und diese dank ausgefeilter Technik und exzellenter Körperbeherrschung, sprich Wendigkeit, alt aussehen lassen. Wobei sie für ihre Ballverliebtheit häufig den Preis zahlen, dass ihnen eher unbewegliche Gegenspieler die Knochen polieren, weil sie beim Versuch, der Schwanzkist’n den Ball abzujagen, zu spät kommen und nur noch das gegnerische Bein treffen.

Zur dialektologischen Erfassung

Der Nürnberger Mundartforscher Dr. Herbert Maas führt in seinem Nürnberger Wörterbuch „Wou die Hasen Hoosn und die Hosen Huusn haaßn“ das Wort „schwanzn“ auf und übersetzt es ins Hochdeutsche: „foppendes Davonlaufen, sich nicht fangen lassen“. Auch in der Fußballersprache häufig. Dazu Schwanzkisdn w. „Spieler, der andere schwanzt“.

Dagegen findet man im Wörterbuch des Dialektologen Horst Haider Munske, Universität Erlangen, nur das Wort „schwanzeln“ schwandsln: beim Melken mit dem Schwanz wedeln.

  • Wörterbuch von Mittelfranken. Eine Bestandsaufnahme aus den Erhebungen des Sprachatlas von Mittelfranken. Zusammengestellt von Gunther Schunk, Alfred Klepsch, Horst Haider Munske, Karin Rädle und Sibylle Reichel. 2. Aufl. Würzburg: Königshausen und Neumann, 2001, 224 S., ISBN 3-8260-1865-6 (1. Auflage, 2000, 218 S.)

Redensarten

„Mensch, die Schwanzkist’n, der soll sein Ball abspielen, statt alles allein zu machen!“

Literatur