Staffelberg

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Der Staffelberg (539 m über NN) ist der Hausberg der Stadt Bad Staffelstein. Der Tafelberg war in der Vergangenheit mehrmals besiedelt, am eindrucksvollsten in den letzten beiden Jahrhunderten vor Christus, damals befand sich hier die Keltenstadt "Menosgada". Heute lädt die Staffelbergklause zur Einkehr. Weiter steht die Adelgundiskapelle auf dem Plateau.


Die Staffelbergfelsen locken die Touristen. Foto: Birgid Röder

Inhaltsverzeichnis

Lage und Geologie

Im Nordwesten der Fränkischen Schweiz, am Oberen Maintal, erhebt sich der markante Zeugenberg Staffelsteins bis auf eine Höhe von bis zu 539 m ü. NN. Er überragt das Tal damit um fast 300 Höhenmeter. Im Süden und Südwesten umfliesst der Lauterbach den Berg bevor er in der Main mündet. Der Berg gehört zum Gemeindegebiet von Bad Staffelstein im Landkreis Lichtenfels in Oberfranken.Er ist Teil des Naturparks Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst


Die Hänge des Berges sind in drei ausgeprägte Stufen ("Staffeln")gegliedert, daher kommt auch sein Name. Sie reichen von der Basis im Braunen Jura bis hinauf in den Oberjura. Die ebenen Stufenflächen der weicheren Tongesteine bedeckt Hangschutt aus den härteren Schichten darüber, diese bilden die deutlich sichtbaren Steilstufen des Berges. Die unterste "Stufe" bildet der eisenhaltige Dogger-Sandstein, die zweite der weiße Werkkalk. Das Gipfelplateau des Staffelbergs besteht aus Riffkalk und Riffdolomit des Oberen Jura.

Staffelberg-Freistellung

Nachdem die den Staffelberg prägenden Felsenkrone in den 1990er-Jahren kaum mehr zu sehen war durch den üppigen Bewuchs des Berges, wurde die Freistellung der Felsen beschlossen. Bis heute arbeiten Landschaftspflegeverband und die Stadt Bad Staffelstein daran, damit sich der "Berg der Franken" weiterhin von seiner besten Seite zeigen kann. Die Freistellung hat allerdings anfangs für großen Wirbel gesorgt und viele "Naturschützer" auf den Plan gerufen, für die das Fällen der Bäume einen Frevel darstellte.

Archäologie und Geschichte

Frühe Besiedlung

Die ältesten bekannten Funde auf dem Staffelberg, die auf eine dauerhafte menschliche Besiedlung des Berges hindeuten stammen vom ca. drei Hektar Fläche umfassenden Hochplateau. Dort sind auch alle jüngeren Besiedlungsphasen des Berges belegt. Die um 50m tiefer gelegene Hochfläche mit ihrer Größe von ca. 49 Hektar war nur während einer relativ kurzen Zeitspanne in den letzten beiden Jahrhunderten v.Chr. besiedelt und befestigt.


Jungsteinzeit (5600-2000 vor Christus)

Vom Beginn der Jungsteinzeit – in der Zeit um 5.000 v.Chr. – sind Reste einer kleinen Siedlung der bandkeramischen Kultur auf dem Hochplateau bekannt. Benannt ist diese jungsteinzeitliche Kulturgruppe nach der typischen Verzierungsweise ihrer Tongefäße. Um 3.500 v.Chr. siedelten dort Angehörige der ebenfalls bäuerlichen Michelsberger Kultur. Aus derselben Zeit stammen auch die ersten Keramikfunde vom Bergplateau der Ehrenbürg bei Forchheim im Süden Oberfrankens – in Franken selbst besser unter dem Namen Walberla bekannt. Beide Berge wurden gleichermassen gegen Ende der Jungsteinzeit um 2.300 v.Chr. nochmals kurzfristig besiedelt.Für keinen der beiden Berge gibt es jedoch archäologisch fassbare Hinweise darauf, dass diese neolithischen Siedlungen befestigt waren.


Bronzezeit (2 200 bis 1 200 v. Chr.)

Nach einer langen Besiedlungspause gibt es auf dem Staffelberg in der Zeitspanne zwischen 1.300 und 1.000 v.Chr. wieder Spuren einer kleinen Siedlung aus der Urnenfelderzeit, auch diese war unbefestigt. Der wahrscheinlich zugehörige Friedhof mit mehr als 80 Gräbern liegt 3,5 km nördlich des Berges im Gebiet der Gemeinde Grundfeld. Neben schlichten Brandgräbern – der Name "Urnenfelderzeit" leitet sich vom damals vorherrschenden Ritus der Brandbestattung in Keramikgefäßen her – fanden sich aufwendigere Körperbestattungen.


Zwei der Frauengräber waren reich mit Bronzediademen, Goldringchen, Glas- und Bernsteinperlen ausgestattet. Diese beiden Frauen gehörten daher wohl der damaligen Adelsschicht an. Die urnenfelderzeitliche Siedlung auf dem Staffelberg wird aus unbekannten Gründen um 1.000 v.Chr. aufgegeben.


Befestigte Siedlungen der Eisenzeit ((800/750-15 v. Chr.)

Erst gegen Ende der Hallstattzeit – etwa zwischen 550 und 480 v.Chr. – erfolgte eine erneute Besiedlung des Staffelberg-Hochplateaus.Aus dieser frühkeltischen Zeit stammt die erste nachweisbare Befestigung des Hochplateaus.Reste dieser Umwehrung – sie wurde in den folgenden Jahrhunderten immer wieder erneuert und ausgebaut – sind noch heute als Wall am Rande des Hochplateaus sichtbar. Der damalige Zugang zur Siedlung verlief an der Strecke des auch heute noch benutzten Wegs am Nordosthang des Berges. Um diesen Zugang zu schützen wurde eine etwa 2 m breite Kalksteinmauer im Hangbereich gebaut. Diese Mauer schloss auch eine natürliche Zisterne ("Himmelsteich") ein, um so die Wasserversorgung der Siedlung sicherzustellen, wenn die Quellen am Fuß des Berges nicht erreichbar waren.


Der eigentliche Ausbau dieses Befestigungssystems erfolgte in der anschließenden keltischen Frühlatènezeit zwischen 480 und 380 v.Chr.Das zuvor nur durch eine Holz-Erde-Mauer geschützte Hochplateau wurde jetzt mit einer ca. 2m breiten Pfostenschlitzmauer umgeben. Dies ist eine Steinmauer, in deren Front in regelmäßigen Abständen senkrechte Pfosten als Mauerstützen eingelassen waren. Sie waren mit den gegenüberliegenden Pfosten an der Innenseite der Mauer verbunden, um so die Stabilität des Bauwerks zu gewährleisten. Die tiefer gelegene Mauer zum Schutz des Zugangs und der Zisterne wurde zu einer mächtigen Steinmauer von 5m Breite mit wohl mindestens drei Meter Höhe ausgebaut. Über die Bebauung im Innenbereich der Befestigungsanlage lässt sich leider nur wenig sagen, da die dünne Kulturschicht auf dem Plateau durch dessen jahrtausendelange landwirtschaftliche Nutzung vollständig umgelagert worden ist. Erhalten und so archäologisch noch greifbar sind lediglich zahlreiche mannstiefe Kellergruben. Sie waren von den Bewohnern der Siedlung in den Felsboden gegraben worden und dienten als Vorratsgruben. Bei Ausgrabungen fanden sich darin zahlreiche Keramikgefäße.


Erstmals konnte durch die Grabungen jetzt auch eine Besiedlung auf der tiefer gelegenen, weiterhin unbefestigten Hochfläche des Berges belegt werden.Eine ähnliche Besiedlungsgeschichte wie die des Staffelberges konnte bis heute für weitere 13 zeitgleiche Höhensiedlungen in Oberfranken nachgewiesen werde. Ihre Größe schwankt zwischen der kleiner Anlagen mit nur 0,5 bis 2 Hektar Innenfläche, mittelgroßen wie dem Staffelberg mit 3,5 Hektar und den einzig dastehenden 36 Hektar der Ehrenbürg.Die Siedlung auf dem Staffelberg fiel nicht lange nach 380 v.Chr. einer Brandkatastrophe zum Opfer. Ob dies aufgrund kriegerischer Auseinanderstetzungen geschah oder ob es andere Gründe dafür gab, ist archäologisch nicht nachweisbar. Sichtbar sind nur die Folgen: Für zwei Jahrhunderte kam die Besiedlung des Staffelberges nahezu völlig zum Erliegen.


Das keltische Oppidum und seine Befestigungsanlagen

Um 150 v.Chr. wird der Staffelberg erneut besiedelt. Wie in der vorangegangenen späten Hallstattzeit und der Frühlatènezeit wird das Hochplateau durch eine Pfostenschlitzmauer gesichert. Diese Mauer wurde auf einer aus dem Fels herausgebrochenen Geländestufe von 1,5 m Tiefe und 4 m Breite dem Schutt der Mauer aus dem 5. Jahrhundert vorgeblendet. Die Vorderfront bestand aus kleinen Jurakalkplatten, für die Stabilität der Mauer sorgten 40cm breite, sorgfältig zugehauene Pfosten, die mit horizontal zur Innenseite hin verlaufenden Ankern verbunden waren. Hinter der Mauerfront wurde über diese Anker ein 5 m breiter Steinwall geschüttet, der heute noch teilweise bis zu 1m Höhe erhalten ist. Zum Schutz des Zugangs und der Zisterne wurde wiederum eine Mauer im Hangbereich errichtet.


Die tieferliegende Hochfläche – die schon in der vorangegangenen Siedlungsphase teilweise besiedelt war – wurde nun erstmals ebenfalls befestigt. Ihre Fläche von ca. 900x700 m schützt nun eine 2.800 m lange Mauer. Diese heute zu einem Wall verfallene Mauer ist noch gut zu erkennen, besonders auf der Hochfläche im Osten, wo sie sich bei einer Höhe von ca. 3,6m mit einer Breite von 16m schnurgerade über eine Länge von 320m erstreckt. In diesem besonders gefährdeten, da ebenen Bereich der Hochfläche war die Mauer noch zusätzlich durch einen davor liegenden 10m breiten und 1m tief in den Felsen gearbeiteten Graben geschützt. Zusammen mit einem hölzernen Wehrgang auf der Mauer erreichte diese Wehranlage so eine Gesamthöhe von ca. 6m. Zugang zu dieser Siedlung auf der Hochfläche boten zwei Tore im Nordwesten und Südosten der Mauer. Sie sind als sogenannte Zangentore konstruiert, d. h. vor dem eigentlichen Tor biegt die Mauer zangenförmig nach innen ein, etwaige Angreifer können so von der Mauer herab von beiden Seiten abgewehrt werden.


Durch den Bau dieser Mauer auf der Hochfläche erweiterte sich die befestigte Siedlungsfläche auf dem Staffelberg von 3,5 Hektar auf 49 Hektar, daher wird die Siedlung nun als "Oppidum" bezeichnet, ein Begriff den auch Julius Cäsar für befestigte Städte im keltischen Gebiet benutzte. Beim Oppidum auf dem Staffelberg handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um das von dem griechischen Geographen Ptolemaeus aus Alexandria erwähnte "Menosgada".


Die Hauptmenge der während mehrerer archäologischer Ausgrabungen geborgenen Funde sind Keramikscherben zahlreicher Gefäße. Dazu kommen Funde aus Eisen, nur wenig Glasschmuck und einige zeittypische Bronze- und Eisenfibeln. Die interessantesten Funde sind sechs Münzen, davon fünf aus dem keltischen Gebiet und eine Silberdrachme aus Kappadokien die um 170 v.Chr. geprägt wurde. Die Münzen belegen die weitreichenden Verbindungen von Menosgada. Die Bedeutung des Oppidums hingegen belegen weit mehr zwei eiserne Münzstempel, mit deren Hilfe es möglich war auch in der Siedlung selbst Münzen zu prägen.Um das Jahr 30 v.Chr. wird das Oppidum Menosgada aus unbekannten Gründen verlassen und aufgegeben.

Die Nachfolgersiedlungen

Nach dem Ende des Oppidums folgt eine lange Zeitspanne, für die es keine Belege einer Siedlung auf dem Staffelberg gibt. Erst um 350 n.Chr. wird das Hochplateau wieder mit einer Stadtmauer befestigt und von Germanen bewohnt. Diese letzte Siedlung auf dem Staffelberg besteht bis ca. 420 n.Chr., dann endet sie und mit ihr auch die lange Besiedlungsgeschichte dieses Berges.


Mittelalter und Neuzeit

Sehenswertes

Die Adelgundiskapelle auf dem Staffelbergplateau. Foto: Birgid Röder

Adelgundiskapelle

Im Mittelalter wurde auf dem Staffelberg eine der heiligen Adelgundis geweihte Kapelle erbaut. Ihre heutige Form erhielt sie nach ihrem Wiederaufbau auf den Ruinen des Vorgängerbaus 1653.

Die Eremiten auf dem Staffelberg

Vom ausgehenden 17 Jahrhundert bis etwa 1929 lebte in der Einsiedlerklause - der heutigen Gaststätte - ein Eremit. Heute als Ausflugs-Gaststätte genutzt.Der Staffelberg verfügte über die einzige Eremitenklause im Erzbistum Bamberg welche durchgängig belegt war. Der bekannteste war Ivo Hennemann er erhielt durch das Frankenlied von Victor von Scheffel ein Denkmal.

Der Staffelberg in der Literatur

Der Staffelberg an einem Dezembermorgen. Foto: Birgid Röder

Der Staffelberg und seine Sagen

Der Rabe und der Kapellenbau

Als besondere Schwierigkeit beim Bau der Kapelle erwies sich, dass man Baumaterialien wie Sand und Wasser erst vom Tal auf den Berg transportieren musste. Da fiel es einem Maurer auf, dass häufig ein Rabe zur Baustelle kam, der aus seinem Schnabel Sand rieseln ließ. Der neugierige Arbeiter folgte unbemerkt dem Vogel und beobachtete, dass dieser in das Querkelesloch flog. Als der Mann nachforschte, fand er am Boden der Höhle Dolomitsand. Wegen dieses Sandvorkommens konnte man sich den mühsamen Transport vom Maintal herauf ersparen. Als Dank für die Hilfe des Raben malte man sein Bild über die seitliche Eingangstür der Kapelle. Aus: Sigrid Radunz, Der Staffelberg 2001

Das Querkelesloch

In der Querkeleshöhle des Staffelberges wohnten einst kleine Wesen, Querkele genannt. Sie waren hilfreich und freundlich zu jedermann. Bei den Menschen waren sie gern gesehene Gäste, denn sie verrichteten manche Arbeit, halfen bei Krankheiten und wussten Rat bei allen schwierigen Aufgaben.Am liebsten kamen die Querkel in die Dörfer an den Tagen, an denen die Bäuerinnen Klöße kochten. Denn die rohen Kartoffelklöße, heute noch eine fränkische Spezialität, waren das Leibgericht der kleinen Wichte. Weil sie die Klöße gar zu gern aßen und nicht genug davon kriegen konnten, stahlen sie sich manchmal sogar einen aus dem Kochtopf. Die Frauen wussten dies und duldeten es stillschweigend, hatten sie doch auch manchen Vorteil von den Querkeln.Eine geizige Bauersfrau aber gönnte den Querkeln die Gabe nicht und so zählte sie ihre Klöße ab, ehe sie in den Topf eingelegt wurden. Die Querkele merkten dies sogleich und blieben den menschlichen Wohnungen fern. Eines Tages hörte man ein Wehklagen vom Staffelberg her und in der gleichen Nacht zogen die guten Zwerge vom Staffelberg fort. Sie verließen mit Sack und Pack ihren Berg und zogen hin zum Maintal. Als sie bei Hausen das Mainufer erreichten, ließen sie sich vom Fährmann über den Fluss setzen. Sie zogen wortlos den Banzberg hinauf und wurden nie mehr gesehen. Aus: Sigrid Radunz, Der Staffelberg 2001

Der Fisch im Berg

Vor Jahrmillionen wogte über die Welt das große Jurameer. Das Wasser dieses Meeres ist zwar verschwunden, doch tief im Staffelberg ist ein großer See geblieben. In diesem unterirdischen Gewässer lebt ein riesengroßer Fisch. Er ist so groß, dass er seinen Schwanz im Maul halten muss, um im Berginnern Platz zu haben. Sollte dem Fisch eines Tages die Kraft verlassen, so dass er den Schwanz loslassen müsste, würde dieser mit mächtiger Kraft den Berg zerschlagen. Das Wasser im Staffelberg aber würde das ganze Frankenland überfluten und in ein unheimliches Meer verwandeln, wie es einstmals war. Nach: Sigrid Radunz, Der Staffelberg 2001


Hinweis: Eine ähnliche Sage kursiert auch über den Walchensee. Sie soll angeblich sogar den Bau des Walchenseekraftwerks verzögert haben.

Literatur

  • Björn-Uwe Abels: Archäologischer Führer Oberfranken. Stuttgart: Theiss, 1986. (Führer zu archäologischen Denkmälern in Bayern, Franken, Band 2)
  • Das keltische Jahrtausend. Prähistorische Staatssammlung München, Museum für Vor- und Frühgeschichte. Hrsg. von Hermann Dannheimer und Rupert Gebhard.- Mainz am Rhein: von Zabern, 1993
  • Sigrid Radunz: Der Staffelberg, 2001

Siehe auch

Weblinks

Karte

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