Sylke Otto

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Silke Otto
©: Michael Matejka/NZ

Sylke Otto (*7. Juli 1969 in Chemnitz) ist eine ehemalige deutsche Weltklasse-Rennrodlerin.

Inhaltsverzeichnis

Karriere

Sylke Otto besuchte mit 14 Jahren die damalige DDR-Sportschule Oberwiesenthal und startete seitdem für den SC Oberwiesenthal. Sie war Zeitsoldatin in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Sie erlernte den Beruf der pharmazeutisch-technischen Assistentin.

Erfolge

Olympiasiegerin 2002, 2006

Weltmeisterin 2000, 2001, 2003, 2005

Europameisterin 2000, 2001, 2002

Sie feierte 37 Weltcup-Einzelsiege und gewann viermal den Gesamtweltcup.

Mit dem Olympiasieg 2006 wurde sie zur erfolgreichsten Rodlerin aller Zeiten.

Am 12. Januar 2007 gab sie wegen ihrer ersten Schwangerschaft ihren Rücktritt vom Sport bekannt.

Privat

Sylke Otto lebt mit ihrem Lebensgefährten Ronald Grund und ihrer Tochter in ihrer Wahlheimat Zirndorf bei Nürnberg. 2008 wurde sie in den Stadtrat von Zirndorf gewählt.

Sie liebt Pflanzen aller Art, sammelt Kochbücher und kocht gerne.

Artikel aus der Nürnberger Zeitung

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

Rennrodlerin Sylke Otto hat ihre Traumkarriere beendet Das Baby übernimmt die Regie

Von Melanie Bachhuber

NÜRNBERG — Sie klingt heiter, gelassen und rundum zufrieden. Sylke Otto kann zur Zeit nichts und niemand aus der Ruhe bringen. Auch nicht die vielen Journalisten, die ihr Handy pausenlos klingeln lassen, die gratulieren, nach ihren Plänen fragen und Glück wünschen. Die erfolgreichste Rennrodlerin aller Zeiten, die gestern ihre Karriere beendet hat, ist mit sich und der Welt im Reinen, denn sie startet ein neues, lang ersehntes Projekt: Sie wird im Sommer Mutter. „Ich bin stolz und glücklich, dass ich diesen Schritt getan habe“, sagt die 37-Jährige der NZ. Dass sie „ein absoluter Familienmensch“ ist, dass sie von einer romantischen Hochzeit träumt und vom Kinderkriegen, das hatte die Wahl-Zirndorferin in den vergangenen Jahren stets betont. Nach der WM Ende Januar in Igls, wo sie 1992 ihren ersten Weltcup gewann, wollte sie den Schlitten in die Ecke stellen und endlich den Heiratsantrag annehmen, den ihr Lebensgefährte Ronald Grund (44) schon 2002 gemacht hatte. Alle Pläne über den Haufen geworfen Aber das Leben geht oft andere Wege und ist nicht so perfekt zu planen wie ein Rennen im Eiskanal, auf das man punktgenau hintrainieren kann. „So geplant war das nicht, ich hätte nicht gedacht, dass das mit dem Baby so schnell klappt“, erzählt Sylke Otto. „Aber ich bin so glücklich!“ Ob Junge oder Mädchen steht noch nicht fest. Zwillinge, die sie scherzhaft immer als „ideal“ bezeichnet hatte, werden es jedenfalls nicht. Fast 25 Jahre hatte die gebürtige Chemnitzerin auf den Rodelstrecken der Welt verbracht. Das Leben aus dem Koffer hat sie gehasst, aber der Preis dafür war außergewöhnlich: Sie gewann zweimal olympisches Gold, vier Weltmeistertitel und zweimal EM-Gold im Einzel sowie zahlreiche Mannschaftsmedaillen. Dazu feierte sie 37 Weltcupsiege – Rekord! – und holte viermal den Gesamtweltcup. „Ich muss niemandem mehr etwas beweisen“, sagt Sylke Otto, die sich auch durch Rückschläge und Operationen nicht stoppen ließ. Ihr letztes Rennen bestritt die Sportsoldatin am Samstag in Königssee, wo sie trotz eines Sturzes Vierte wurde. Der schwere Sturz des Russen Albert Demtschenko am Donnerstag in Oberhof war ausschlaggebend für sie, sofort zurückzutreten. „Mir ist klar geworden, wie gefährlich dieser Sport ist. Ich will nicht mit Angst auf den Schlitten steigen, und ich habe jetzt Verantwortung.“ Deutschlands Rodel-Urgestein Georg „Schorsch“ Hackl, der inzwischen dem Trainerstab angehört, hat Verständnis für Sylke Otto: „Ein Baby ist doch der positivste Grund aufzuhören.“ Bundestrainer Thomas Schwab lud seine Ausnahmesportlerin als Gast zur WM ins Teamhotel ein: „Sportlich ist ihr Abschied schon ein bisschen traurig, aber die Freude über ihr privates Glück überwiegt.“ Selbst Sylke Ottos deutsche Dauerrivalin Silke Kraushaar-Pielach (36) war gerührt: „Wir haben 15 Jahre lang Höhen und Tiefen gemeinsam erlebt. Dass wir jetzt auseinander gehen, geht mir nahe. Ich wünsche ihr alles Gute.“ Die Reaktionen zeigen, dass Sylke Otto nicht nur als Sportlerin, sondern auch als Mensch geschätzt wird. Starallüren kennt sie nicht. Der NZ gewährte die sympathische Blonde sogar Einblicke in ihr Privatleben in Zirndorf, verriet als passionierte Köchin ihre Lieblingsrezepte und präsentierte ihre riesige Pflanzensammlung. Für ihre Hobbys hat sie nun erstmal mehr Zeit. „Ich falle sicher in kein Loch, ich habe genug vor“, sagt sie und lacht. „Als nächstes steht die Einrichtung des Kinderzimmers an.“ Zwergpudel Arie, inzwischen 15 Jahre alt, muss keine Angst haben, dass er künftig zu kurz kommt. „Mein Schatzi“, sagt Sylke Otto über den Hund, „der gehört doch auch mit dazu.“ Ihr Lebensgefährte Ronald Grund nimmt’s locker und freut sich, dass er seine Liebste endlich öfter um sich hat. Auf die Hochzeit muss er aber weiter warten: „Dafür habe ich jetzt keinen Kopf“, sagt Sylke Otto. „Und mit dickem Bauch will ich nicht heiraten.“

NZ (Sport) vom 13.1.2007


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