Tobias Dier

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Tobias Dier

Tobias Dier ist Golfprofi, geboren am 22. September 1976 in Nürnberg. Er wuchs in Kemmathen auf und machte Abitur in Ebermannstadt. Zunächst spielte er für den Nürnberger Golfclub am Reichswald; seit 2005 startet er für den Country-Club Flesensee bei Rostock.


Inhaltsverzeichnis

Karriere

Begann mit 13 bei einem Urlaub mit Golf, bekam nach fünf Minuten Training die Platzreife, hatte nach eineinhalb Jahren ein Handicap von sechs. 1988 wurde er „Pro“.

Größter Erfolg war der Gewinn der Dutch Open 2002. An diesen Erfolg konnte er danach nicht mehr anknüpfen. 2005 kam eine Verletzung am rechten Schlagarm dazu.

2006 gehört er nach 1999 und 2000 wieder zum Golf Team Germany, dem gemeinsamen Förderkader von PGA of Germany und Deutschem Golf Verband.


Privat

Dier engagiert sich als Botschafter für UNESCO, macht Tai Chi, kocht gerne und sammelt edle Weine.


Porträt aus der Nürnberger Zeitung

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

Der Nürnberger Golf-Profi Tobias Dier will wieder angreifen

Rastlos auf der Suche nach dem perfekten Schlag

Von Melanie Bachhuber

Tobias Dier hat einen Dachschaden. Sagt er selbst. »Den muss man als Golfer definitiv haben, wenn man eine derartig seltsame, komische Sportart macht«, erklärt er augenzwinkernd. Der 28-jährige Nürnberger lacht gern, auch über sich selbst. Er will geduzt werden (»Wenn Leute mich siezen, denke ich immer: Hab ich noch mehr graue Haare bekommen?«) und benimmt sich überhaupt ganz normal.

Keine Spur von Arroganz oder Selbstverliebtheit, wie man es dem Klischee entsprechend von einem erwarten würde, der Golf-Profi ist und in elitären Klubs verkehrt. Dieses Vorurteil kann Tobias Dier nicht mehr hören. »Nicht jeder, der Golf spielt, ist ein Snob oder furchtbar reich, und nicht jeder Klub ist elitär. Es gibt auch Vereine, wo nur der Sport zählt und sonst nichts«, redet er sich in Rage und gibt zu: »Mich stört dieses Image leicht.«

Obwohl er einer der besten Golfer Deutschlands ist, wenn nicht sogar der talentierteste, hält sich Tobias Dier nicht für was Besonderes. Er hat in seiner Karriere eben schon Höhen und Tiefen erlebt, Erfolge gefeiert und Krisen meistern müssen. Sowas prägt. »Ich hab's verarbeitet«, sagt er über das »Seuchenjahr« 2004, in dem er bei 34 Turnieren auf fünf Kontinenten antrat und bei 32 davon nicht über den Halbzeit-Cut hinauskam.

Florida, Südafrika, Bangkok, Melbourne, Sydney, Kuala Lumpur, Dubai, Katar, Singapur - alles in zwölf Wochen. Dabei schleppte er, zunächst ohne es zu wissen, das Pfeiffer'sche Drüsenfieber mit sich herum. Aber auch nach der Diagnose im Juli spielte er einfach weiter - mit bekannten Resultaten. »Es bestand die Gefahr, meine Tourkarte zu verlieren, darum hab ich weitergekämpft. Im Endeffekt war das total blöd. Da hat der Körper gestreikt«, sagt er heute. Erst im November kurierte er sich aus und begann mit dem Aufbautraining. Als er im Mai 2005 wieder »ganz ordentlich dabei« war und im Juni im französischen St. Omer Kurs auf die Spitzenplätze nahm, stoppte ihn eine Verletzung am rechten Schlagarm. »Im Moment ist an Golf nicht zu denken«, sagt Tobias Dier. »Aber ich blicke frohen Mutes in die Zukunft. Ich will einfach wieder gut spielen.« Jetzt will er sich für die British Open qualifizieren - wenn der Arm mitmacht.


Profi-Golf ist ein teurer Spaß

Auf persönliche Befindlichkeiten nimmt das Profigeschäft grundsätzlich keine Rücksicht. 130 000 Euro, sagt Tobias Dier, kostet ein Jahr auf der Tour, vor allem die Kosten für Flüge und Hotels summieren sich schnell. Um da zu überleben, muss man schon einige lukrative Turniere (erfolgreich) spielen. »Wer 200 000 Euro brutto im Jahr verdient, schafft gerade mal den Break Even«, sagt der Nürnberger und widerlegt die Mär vom reichen Profigolfer, der mit einem Turniersieg ausgesorgt hat. Wohl dem, der wie Tobias Dier Sponsoren hat, die nicht sofort den Geldhahn zudrehen, wenn's mal nicht so läuft.

Ablenkung vom Golf findet Tobias Dier bei seiner Freundin Wiebke, die selbst nicht spielt. Dann kochen sich die zwei in ihrer Wohnung in Johannis was Feines. »Bei uns gibt's alles querbeet: Nudeln, Gemüse, Fisch, Rinderlende«, sagt Hobbykoch Tobias Dier, der sich als »Genussmensch« bezeichnet und edle Weine sammelt. Sein Schmuckstück ist ein Chateau Petrus aus seinem Geburtsjahr 1976.

Der Spaß am Sport entwickelte sich beim kleinen Tobias dank der Eltern, die Tennis und Fußball liebten, fast automatisch. »Ich war fanatisch: Surfen, Wasserski, Bogenschießen habe ich gemacht. Und ich fand alles toll, was mit Bällen zu tun hatte«, erinnert er sich. Beim Cluburlaub mit 13 in Portugal probierte er Golf und gewann prompt das Gästeturnier des Hotels. Da hatte er »seinen« Sport gefunden.


Blitzkarriere dank großem Talent

Und legte eine steile Karriere hin: In seiner ersten Trainingsstunde erteilte ihm der Coach nach fünf Minuten die Platzreife. Innerhalb von eineinhalb Jahren erreichte er ein Handicap von sechs. Im Jahr 1992 wurde er für den Bayernkader nominiert, 1993 war er bayerischer, 1994 deutscher Jugendmeister, 1995 kam er ins Männer-Nationalteam. Nach dem Abitur in Ebermannstadt - der gebürtige Nürnberger wuchs in der fränkischen Schweiz im Örtchen Kemmathen auf - kam er in die Sportfördergruppe der Bundeswehr in Neubiberg. Ende 1998, nach starken Ergebnissen als Amateur, wurde er »Pro«.

Am Anfang war es gar nicht so leicht, alles selber zu organisieren und sich für die großen Turniere zu qualifizieren. Aber Tobias Dier biss sich durch, schaffte über die deutsche Challenge Tour den Zugang zur European Tour. Spätestens nach dem Sieg 2002 bei den Dutch Open, dem größten Erfolg seiner Karriere, war sein Name in aller Munde: 60 Schläge benötigte er für die 18 Löcher, ein Ergebnis, das nur acht Europäer jemals schafften.

»Das war eine Grenzerfahrung, ein absolutes Flow-Erlebnis«, sagt Tobias Dier mit glänzenden Augen und beginnt zu philosophieren Über das Wechselbad der Gefühle beim Golf, über wenige euphorische Momente und die Frustration beim Streben nach nie erreichbarer Perfektion. »Sogar mit guten Runden bin ich meistens unzufrieden«, sagt er. »Das ist aber auch das Faszinierende an diesem Sport: Man erreicht nicht mal 50 Prozent vom Optimum. Selbst ein Ausnahmeathlet wie Tiger Woods nicht. Und seine Technik ist. . .«, sagt Tobias Dier und grinst, »ziemlich gut.«

Er ist einer, der viel nachdenkt und seine Ansichten gestenreich vertritt. Er verschlingt psychologische Bücher, mag aber auch gesellige Abende im Café. Für die Golfkarriere trainiert er diszipliniert Kondition, Kraft und Technik und entspannt sich dazwischen mit Tai Chi. Immer mit dem Ziel eines annähernd perfekten Schlages, einer optimalen Bewegung. Tobias Dier kann nicht anders: »Golf ist mein Leben. Wenn's einen mal gepackt hat, lässt es einen nie mehr los.«

NZ (Nürnberg Plus) vom 8.7.2005

Weblinks