Unschlitthaus (Nürnberg)

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Das Unschlitthaus ist ein mittelalterliches reichsstädtisches Gebäude in Nürnberg. Es gehört zu den wichtigsten Baudenkmälern und historischen Sehenswürdigkeiten der Nürnberger Altstadt und ist daher eine Station der Historischen Meile Nürnberg.

Das Unschlitthaus, ein ehemaliger Kornspeicher. Erbaut von Hans Behaim dem Älteren 1490.
© Karlheinz Daut/NN

Inhaltsverzeichnis

Zur Bedeutung des „Unschlitt“

Das Unschlitt ist ein tierisches Fett bzw. ein tierischer Talg. Das Unschlitt war bis ins 19. Jahrhundert hinein als Rohstoff für die Herstellung von Talgkerzen, Wagenschmiere und Schuhwichse von großer Bedeutung. Im Mittelalter mussten daher alle Metzger dies Abfallfett beim Unschlittamt als städtischer Monopolbehörde verkaufen.

Zur Herkunft des Wortes „Unschlitt“

Wolfgang Pfeifers Etymologisches Wörterbuch klärt über die Herkunft des Wortes „Unschlitt“ auf.

Althochdeutsch: das unsli(h)t, ein 'Talg, Fett', eigentlich 'das nicht zum Essen Verwendbare vom Geschlachteten' (9. Jh.); ingislahti, die 'Innereien, Eingeweide, Kleingehacktes' (11. Jh.); gislahti, das 'Hackfleisch, das Geschlachtete' (Handschrift 13. Jh.).

Mittelhochdeutsch: ingeslehte, das 'Eingeweide'; unslit, 'Unschlitt, Talg'; geslehte, 'das Schlachten, das Geschlachtete, die Eingeweide von geschlachtetem Geflügel'.[1]

Durch die Betonung der Vorsilbe wird das Grundwort „schlachten“ bis zur Unkenntlichkeit reduziert.

Geografische Lage

Das Unschlitthaus liegt an dem nach ihm benannten Unschlittplatz in der Lorenzer Altstadt südlich der Pegnitz zwischen der Maxbrücke und dem Henkersteg im Norden und der Karl-Grillenberger-Straße im Süden.[2] Der Unschlittplatz gehört mit seinen mittelalterlichen Bauten zu den wenigen erhaltenen historischen Ensembles der Stadt Nürnberg.

Zur Geschichte des Unschlitthauses

Das „Unschlitthaus“ wurde 1490/91 erbaut. Es war einer der sieben „Kornkästen“‚ die die Stadt im 15. Jahrhundert errichten ließ. Seinen Namen trägt der ehemalige Getreidespeicher von dem Unschlittamt,[3] das 1562 im Erdgeschoß untergebracht wurde und das als städtische Monopolbehörde für Unschlitt bzw. Talg diente.

Seit der reichsstädtischen Zeit bis 1891 benutzten die Nürnberger die Pegnitz als Abwasserkanal und für das Entledigen von Abfällen. Auch die Herstellung und Verarbeitung von Unschlitt, z.B. für die Kerzenherstellung, fand deshalb am Unschlittplatz in unmittelbarer Nähe der Pegnitz statt. Der anderen Abfälle der Metzgerhandwerke entledigte man sich im städtischen Fleischhaus ebenfalls mit Hilfe der Pegnitz,[4] so wie es u.a. auch die Weißgerber in der Weißgerbergasse taten. Heute bezeichnet man dies mit dem Unwort „entsorgen“.[5]

Bei derartigen unhygienischen Verhältnissen konnten Pestepidemien nicht ausbleiben. Für die Nürnberger Patrizier war der wirksamste Schutz die Flucht in ihre Schlösser und Herrensitze im Nürnberger Umland.[6]

Heute dient das Unschlitthaus als städtisches Amtsgebäude und Leihhaus.

Literatur

  • Carl L. Sachs: Metzgergewerbe und Fleischversorgung der Reichsstadt Nürnberg bis zum Ende des 30jährigen Krieges. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN), Nr. 24, 1922, S. 1-260 - MVGN
  • Hans Behringer: Die Straßen unserer Vaterstadt erzählen ihre Geschichte. Nürnberg: Fränkische Verlagsanstalt und Buchdruckerei GmbH, 1961, 251 S.; 2. Auflage, 1966, 259 S.
  • Erich Mulzer: Henkersteg und Unschlittplatz. In: Erich Mulzer: Baedeker Nürnberg - Stadtführer, 9. Auflage. Von Karl Baedeker. Ostfildern-Kemnat: Baedeker, 2000, 134 S., ISBN 3-87954-024-1 - im Netz
  • Peter Fleischmann: Ochsen- und Unschlittamt. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2. Auflage, 2000, S. 775 - im Netz

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Erarbeitet im Zentralinstitut für Sprachwissenschaft Berlin unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer. 3. Taschenbuchauflage. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1997, 1.665 S., ISBN 3-423-03358-4, S. 1488
  2. Stadtplan Nürnberg: Unschlittplatz, südlich der Pegnitz unweit der Maxbrücke
  3. Peter Fleischmann: Ochsen- und Unschlittamt. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2. Auflage, 2000, S. 775
  4. Bildungszentrum der Stadt Nürnberg, 1998: Pegnitz als Abwasserrinne und Müllhalde
    • Walter Bauernfeind: Entsorgung. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2. Auflage, 2000
    • Martina Bauernfeind: Bürgermeister Georg Ritter von Schuh. Stadtentwicklung in Erlangen und Nürnberg im Zeichen der Hochindustrialisierung 1878–1913. Zugleich: Universität Bayreuth, Diss., 1999. Nürnberg: Korn und Berg, 2000, XII, 563 S., ISBN 3-87432-137-1 (Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte; Band 60), S. 40-54, 142-165
  5. Charlotte Bühl: Pestepidemien. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2. Auflage, 2000