Joseph Victor von Scheffel

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Joseph Victor von Scheffel (* 16. Februar 1826 in Karlsruhe; † 9. April 1886 in Karlsruhe) war ein Schriftsteller. Er ist der Dichter des Frankenliedes.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft

Joseph Victor Scheffel war ein Sohn des badischen Majors, Ingenieurs und Oberbaurats Philipp Jakob Scheffel und dessen Gemahlin Josephine, geborene Krederer (* 22. Oktober 1803).

Schule und Studium

Scheffel wuchs in der Stefanienstraße 16 auf. Er besuchte von 1833 bis 1843 das Lyceum in Karlsruhe. Anschließend studierte er Rechtswissenschaft, zunächst 1843/44 zwei Semester an der Universität München.

1844/45 studierte er an der Universität Heidelberg. In Heidelberg gehörte er mehreren Burschenschaften an: Allemannia II ( 1844-1845); Teutonia (1845) und dann Frankonia II, der er bis zu seinem Tode anhing.

1845 wechselte er an die Universität Berlin. In Berlin gehörte er der „Alten Berliner Burschenschaft“ aktiv an. 1846 kehrte er an die Universität Heidelberg zurück, wo er sein Studium am 18. März 1847 abschloss. Im Herbst 1847 wurde er an der juristischen Fakultät in Heidelberg summa cum laude zum Doktor der Rechte promoviert.

Beruf

Im Sommer 1848 begleitete er den Reichskommissar Carl Theodor Welcker (* 29. März 1790; † 10. März 1869 in Neuenheim/Heidelberg) als Sekretär auf dessen Reise nach Skandinavien.

Zurück im Großherzogtum Baden war er von 1850 bis 1851 als Rechtspraktikant zu Säckingen und 1852 im Sekretariat des Hofgerichts zu Bruchsal tätig.

Scheffel, der das Künstlerische in sich verspürte, reiste 1852 nach Italien, um sein Talent als Landschaftsmaler zu vertiefen. Dabei erkannte er in Rom seine Begabung als Dichter. Nach der Italien-Reise wurde er zum Referendar ernannt. Scheffel gab jedoch die juristische Laufbahn auf, um Dozent an der Universität Heidelberg zu werden. 1855 unternahm er eine Reise nach Norditalien, wo er längere Zeit mit Anselm von Feuerbach zusammentraf.

Familie

Am 22. August 1864 ging Scheffel mit Caroline von Malzen, der Tochter des bayerischen Gesandten zu Karlsruhe, die Ehe ein.

Beziehungen zu Franken

Obermaingebiet

Scheffel lernte das Obermaingebiet bei seinem ersten dortigen Aufenthalt am 1. Oktober 1845 kennen; wohl auf seiner Reise nach Berlin, wo er ab dem 25. Oktober 1845 immatrikuliert war.

Des weiteren war Scheffel 1859 für zwei Monate zu einem Erholungsaufenthalt in Banz und logierte bei dem Schlosspächter Johann Schonath. Am 11. Juli 1859 kam Scheffel aus dem Herzogtum Sachsen-Weimar über Coburg kommend in Staffelstein an. Scheffel, der noch bei dem Fürsten von Donaueschingen angestellt war, kündigte seine Stellung von hier aus am 30. August 1859. Mit dieser Entscheidung tat Scheffel den Schritt zu einem freien schriftstellerischen Leben.

In Banz verweilte er öfters in der Petrefaktensammlung bei Dr. Carl Theodori und verfasste hier das Gedicht „Ichtyosaurus“ und als Dank für seine Genesung am Obermain das allseits bekannte Werk „Wanderfahrt zum hl. Veit von Staffelstein“, das später von Valentin Becker vertont wurde.

Im Jahr 1868 besuchte er die Basilika Vierzehnheiligen und schrieb letztmals kurz vor seinem Tode noch dem Eremiten vom Staffelberg Ivo Hennemann.

Fränkische Schweiz

Durch die Veröffentlichung Espers (* 2.6.1742 in Wunsiedel; † 27. Juli 1810 in Erlangen) geriet die Fränkische Schweiz, damals noch „das Gebürg“ genannt, in den Ruf einer Höhlenwelt. Gepaart mit der aufkommenden romantischen Epoche lockte die Landschaft schon frühzeitg Literaten Ludwig Richter, Johann Wolfgang von Goethe, Ernst Moritz Arndt u.a.

Erstmals kam Scheffel 1859 in die Fränkische Schweiz von Bamberg über Forchheim kommend und durchstreifte zu Fuß das Wiesenttal und seine benachbarten Täler. Seine Empfindungen hielt er in dem 20 Verse umfassenden Gedicht „Fahrende Leute - Exodus Cantorum - Bambergischer Domchorknaben Sängerfahrt“ fest. In einem an seine Mutter adressierten Brief beschrieb er seine Bewunderung: ...Während Ihr in Wildbad ward, habe ich, als allmählichen Schluss meines Aufenthaltes im Frankenland, einen herrlichen Ausflug ins Hochland der sogenannten Fränkischen Schweiz unternommen. Es ist dies ein in den schönsten Punkten nur dem Fußwanderer zugänglicher Gebirgsstrich zwischen Bamberg, Nürnberg und Bayreuth. Meine Erwartungen wurden weit übertroffen, ich fand es schöner, großartiger und origineller, als ich vermutete.

Letztmals weilte Victor von Scheffel 1883 in dieser Gegend, wo er in Streitberg und Gößweinstein wohnte. In Streitberg wandte er sicher die Molke-Kur an. In Gößweinstein logierte er im Gasthof Distler; dem heutigen Scheffel-Gasthof. Sein am 4. September gemachter Eintrag ins Fremdenbuch sorgte für Aufsehen: „Victor v. Scheffel, Belletriste, Carlsruhe, Gößweinstein, 4. Septbr. 1883. ‚Belletriste? siehste wie Du biste. Belle warste, triste biste, siehste, wie de biste, Belletriste?’“

Ehrungen

  • 1859 Zuwahl (Kooptation) in den Pegnesischen Blumenorden
  • 1870 Scheffelbräu in Staffelstein
  • 1876 durch den Großherzog von Baden geadelt
  • 1886 verlieh die Stadt Heidelberg Joseph Victor von Scheffel das Ehrenbürgerrecht
  • 1892 Denkmal in Karlsruhe
  • 1926 wurden zum 100ten Geburtstag des Dichters 26 Texttafeln mit Zitaten des Dichters über den jeweiligen Ort durch den Fränkischen-Schweiz-Verein aufgestellt. Diese Tafeln erinnern an die Wanderroute Victor von Scheffels 1859.
  • 1929 „Scheffelstube“ im „Scheffel-Gasthof“ in Gößweinstein (1)
  • 1933 Scheffel-Denkmal in Gößweinstein
  • Straßenbenennungen in vielen fränkischen Orten.
Bad Staffelstein: Viktor-von-Scheffel-Straße
Bamberg: Victor-von-Scheffelstraße] (1954)
Würzburg: Scheffelstraße

Literatur

  • Joseph Victor von Scheffel. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 30 (1890), S. 777-791 - Wikisource

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

(1) 1929 initiierte August Sieghardt und der damalige Wirt des Distlergasthofes in Gößweinstein Georg Heßler die „Scheffelstube“ worauf bald auch die Gaststätte ihren heutigen Namen „Scheffel-Gasthof“ erhielt. In dieser Gedenkstätte „Scheffelstube“ informieren etwa hundert Exponate über das Leben und Wirken des Schriftstellers.