Walter Bauer
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Walter Bauer ist ein höchst aktiver Nürnberger Künstler. 1952 in Nürnberg geboren, begann er 1971 eine kaufmännische Lehre und brachte es bis zum Geschäftsführer im Jahr 2000. 1983 eröffnete er sein erstes eigenes Atelier. Ausgestellt hat er in Athen, Bad Windsheim, Dachsbach, Fürth, Nürnberg, München und in Perm (Sibirien).
Artikel in der Nürnberger Zeitung
- Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!
23 Fragen an den Maler Walter Bauer
Kunst fängt bei Dürer an und hört niemals auf
- NZ: Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass Sie ein Künstler sind?
- Walter Bauer: Schon als Kind wollte ich Maler werden, durfte aber nicht. Mein Vater war Lithograph und mit Toni Burghart auf der Berufsschule. Er wollte, dass ich „was Gscheits“ lerne. So machte ich eine kaufmännische Lehre bei Siemens. Dann bin ich später doch noch Maler geworden; ob ich „Kunst“ mache, lasse ich mal dahin gestellt sein.
- NZ: Auch Genies haben Hunger: Was haben Sie gestern zu Mittag gegessen?
- Bauer: Ich bin Allesesser. Gestern gegessen: Eisbein, Sauerkraut und Brot (Ich vermisse das indische Essen noch sehr, ich hatte vor zwei Wochen nämlich eine Ausstellung in Goa, bei www.subodhkerkar.com).
- NZ: Wo fängt Kunst an und wo hört sie auf?
- Bauer: Kunst fängt für einen Nürnberger bei Dürer an und hört niemals auf.
- NZ: Welche Techniken stehen Ihnen zu Gebote?
- Bauer: Ich bevorzuge Öl auf Leinwand, alles andere hat sich nicht bewährt. Die neuen Acrylfarben sind immer noch nicht so gut, Wasser will flach fließen und sich mischen. Ölfarben dagegen bleiben mit starkem Duktus stehen und ziehen zum Beispiel Schlieren, ohne sich zu mischen.
- NZ: Welchen zeitgenössischen Nürnberger Künstler schätzen Sie besonders – und warum?
- Bauer: Meinen Kollegen Werner Hofmann. Er ist 73 Jahre jung und malt, wie ich, täglich, zum Beispiel fränkische Giebel in Farben. Er ist agil wie ein 20-Jähriger. Diese Power schätze ich!
- NZ: Was ist der Sinn des Lebens?
- Bauer: Nichts Sinnloses zu tun.
- NZ: Wie wichtig ist Ihnen die so genannte Hochkultur wie Staatstheater, Opernhaus, klassische Konzerte?
- Bauer: Völlig unwichtig. Wobei ich zum Beispiel heuer in den Bergen bei einem Neujahrskonzert mit etwa 50 Bläsern war. Daran erinnere ich mich sehr gern.
- NZ: Was ist Stil?
- Bauer: Ich habe meinen Stil gefunden.
- NZ: Wie hart ist der Konkurrenzkampf unter Künstlern in Nürnberg?
- Bauer: Keine Ahnung, interessiert mich nicht.
- NZ: Hat man größere Chancen bei den Frauen beziehungsweise bei den Männern, wenn man Künstler ist?
- Bauer: Die größten Chancen hat man bei Hunden, die einen gern anschnüffeln, wenn man nach Ölfarbe und Malmittel riecht.
- NZ: Wie wichtig ist die öffentliche Förderung der Künste?
- Bauer: Sehr wichtig, ich persönlich habe aber davon noch nichts gespürt. Auch meine 50 Portraits der Fürther Müllmänner malte ich auf eigene Rechnung. Selbst beim Drucken des Booklets bekam ich kein Geld. Aber so bleibe ich wenigstens unabhängig.
- NZ: Wozu braucht es eigentlich eine Kunstakademie?
- Bauer: Man braucht sie unbedingt. Mit Abschluss tut sich jeder Künstler leichter bei Kunden und Galerien. Ich bin Autodidakt, was es manchmal etwas schwer macht, aber dafür den Vorteil hat, dass ich mich vor niemandem profilieren muss.
- NZ: Beschreiben Sie Ihr derzeit schlechtestes Werk – und ihr bestes?
- Bauer: Mein schlechtestes Werk wird so lange bearbeitet, bis es gut ist – oder es wird vernichtet. Mein bestes ist immer mein letztes. Aktuell: Der Tennisspieler für den NHTC.
- NZ: Haben Sie jemals mit dem Gedanken gespielt, Nürnberg zu verlassen – und warum sind Sie immer noch hier?
- Bauer: Ich verlasse Nürnberg immer, um zu reisen, heuer hatte ich eine Ausstellung in Goa, letztes Jahr in Athen. Aber wenn man frei im Kopf ist, bleibt man auch gern hier.
- NZ: Wo in Nürnberg finden die besten Ausstellungen statt?
- Bauer: Überall dort, wo kein Kurator vorgeschaltet ist. Wobei die großen Ausstellungen durchaus gut sind, aber oft wirkt nicht das Kunstwerk an sich, sondern es beeindrucken die Räume.
- NZ: Wenn Sie noch einmal von vorne anfangen könnten – was würden Sie anders machen?
- Bauer: Nichts.
- NZ: Wie haben Sie Ihren Eltern beigebracht, dass Sie Künstler sind?
- Bauer: Ich war 50 Jahre alt, als ich mich entschloss, nur noch zu malen. Es fiel mir also relativ leicht, mit der "Wahrheit" rauszurücken.
- NZ: Wann nervt Kunst?
- Bauer: Wenn‘s elitär zu werden droht.
- NZ: Lesen Sie Kritiken über Ihre Arbeit?
- Bauer: Na klar, ich nehme sie sogar wörtlich: Ein als Ölschinken bezeichnetes Bild von mir veranlasste mich, einen Schinken zu malen.
- NZ: Was sagen denn Kinder zu Ihren Werken?
- Bauer: Kinder malen in der Umgebung meiner Bilder völlig ungezwungen, mit viel Fantasie und ohne Hemmungen, worum ich sie beneide.
- NZ: Wie heilig ist Ihnen die Kunst?
- Bauer: Heiligkeit hat mit Kunst nichts zu tun.
- NZ: Haben Sie Angst vor dem Tod?
- Bauer: Ich sterbe lieber in einer Lawine beim Skitourengehen als beim Radfahren im Straßengraben. Nein!
- NZ: Was ist Schönheit?
- Bauer: Schönheit ist individuell, kann man nicht fassen. Aber wenn ich 20 Leuten 5 abstrakte Bilder zur Auswahl gebe und nach dem schönsten Bild frage, gibt es meistens eine große Übereinstimmung – ohne dass jemand den genauen Grund sagen könnte.
:::Fragen: Mückl & Zawodsky
