Wanderer in der Stadt

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Die Heimstätten der NZ

Wanderer in der Stadt

Von André Fischer

Wenn ein Betrieb 200 Jahre in einer Stadt an verschiedenen Stellen angesiedelt ist, dann hinterlässt er Spuren. Auch wenn sie angesichts des großen Zeitraums nur noch sehr schwer zu erkennen sind. In der Rückschau nimmt man zwar manche Entwicklungsstränge schärfer wahr, doch verschwinden auch viele Einzelheiten. Ruth Bach-Damaskinos vom Stadtarchiv hat viele Adressbücher und Archivmappen gewälzt, um der »Nürnberger Zeitung« und ihren Vorgängern wie dem »Korrespondenten von und für Deutschland« sowie dem »General Anzeiger« auf die Spur zu kommen.

In Basel wurde zwar die Erstausgabe des »Korrespondenten«, des Urahnen der NZ, gefunden, doch in welchem Haus und in welcher Straße in Nürnberg die Stränge zusammenliefen, darüber gibt es kaum Hinweise. Das Büro des »Korrespondenten« wird erstmals im Nürnberger Adressbuch von 1819 genannt: Es ist das Haus von Ludwig Friedrich August Zehler, das sich in der Adlerstraße 6 befunden hat. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hieß die Adresse noch L 320, 8. Distrikt, Adlerstraße. Das älteste Foto des Anwesens stammt aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Ab 1829, so Bach-Damaskinos, ist der »Korrespondent« im Haus von Johann Friedrich Zehler untergebracht. Der Königlich-Bayerische Stadtkommissär von Fürth residierte am Hauptmarkt 4 in Nürnberg. Die alte Adresse lautete S 807, 12. Distrikt an der Fleischbrücke. Hauptmarkt 4 wird auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert, bis zur vorläufigen Einstellung der Zeitung im Jahr 1943, die Adresse der »Nürnberger Zeitung« sein. Ab 1850 wird Zehlers Stadtkommissärswitwe als Adresse für Büro und Druckerei des »Korrespondenten« genannt.

1890 wurde der »Korrespondent von und für Deutschland« von der Buchdruckerei J.L. Stich an die Firma »Häßlein und Waltz« verkauft und ging damit im »Generalanzeiger für Nürnberg, Fürth und Umgegend« auf, der zwischen 1891 und 1894 im Gebäude Unschlittplatz 1 residierte. Das Haus unmittelbar an der Maxbrücke steht heute noch. Im Band 13 der von Helmut Beer herausgegebenen »Nürnberger Erinnerungen« gibt es wohl das früheste noch erhaltene Bild von Nürnberger Redakteuren und Druckern, die sich stolz vor ihrem »General Anzeiger« fotografieren ließen. Die »gelesenste Zeitung Nürnbergs«, wie sie sich selber im Titel nannte, zog 1894 in die Karlstraße 23 um. Die Auflage von 25 000 Exemplaren stieg durch eine unabhängige Berichterstattung, umfangreiche Beilagen, aber auch durch einen geschickten Umgang mit Abonnenten stark an.

1895 übernahm der Kaufmann Erich Spandel den »General Anzeiger«. Er rückte die Zeitung durch Aufsehen erregende Maßnahmen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, wenn er etwa die Druckmaschinen des »General Anzeigers« in den Hallen der Bayerischen Landesausstellungen im Luitpoldhain und im Stadtpark 1896 und 1906 aufbauen und dort die Zeitung komplett drucken ließ. Innerhalb von zehn Jahren verdoppelte Spandel die Auflage von 26.000 auf 50.000 Exemplare und 1913 wurde aus dem »General Anzeiger« die »Nürnberger Zeitung«. Sitz der Zeitung war wieder der Hauptmarkt Nr. 4.

Alt-Nürnberger wie Erich Mulzer, der ehemalige Vorsitzende der Altstadtfreunde, erinnern sich noch, dass am NZ-Haus am Hauptmarkt eine Stange angebracht war, von der um zwölf Uhr ein Ball herunterfiel. Für Kinder fast interessanter als das Männleinlaufen. Das NZ-Redaktionsgebäude und der Sitz des Spandel-Verlags wurde im Zuge der »Entschandelung« durch die Nationalsozialisten in den dreißiger Jahren auf altdeutsch zurückgebaut. Die Nazis versuchten mit diesem Projekt, alle modernen Umbauten in der Altstadt wieder aufzuheben: Das NZ-Haus bekam kleine Fenster und der Eingang Rundbögen. Am 2. Januar 1945 wurden die Spandelsche Druckerei und das Redaktionsgebäude am Hauptmarkt komplett zerstört.


Nach dem Zweiten Weltkrieg

finden sich die ersten Spuren der NZ in der Regensburger Straße Nr. 44 und ab 1952 in der Regensburger Straße Nr. 10/46. 1965 konnte die NZ auf dem Gelände an der Regensburger Straße in das völlig neue Redaktionsgebäude, dessen Bau schon 1960 begonnen worden war, einziehen. Die NZ war damals eine Tochterfirma der Großdruckerei Erich Spandel. Anfang der 80er Jahre wurde begonnen, die Herstellung der NZ Zug um Zug in das Druckhaus des Verlags Nürnberger Presse zu verlegen. Die Redaktion zog schon 1981 in die Marienstraße um.


Der »General Anzeiger«, Vorläufer der »Nürnberger Zeitung«, hatte seinen Sitz zwischen 1891 und 1894 am Unschlittplatz 1. Das Gebäude (links oben, Foto: Stadtarchiv Nürnberg) steht heute noch. Das Bild zeigt die ganze Belegschaft - Drucker, Redakteure und Hilfspersonal -, die sich stolz vor dem Gebäude versammelt hatten. Lange Zeit war danach das Haus am Hauptmarkt 4 die erste Adresse der »Nürnberger Zeitung« (links unten, Foto: NZ). Durch die Zerstörung des Anwesens im Zweiten Weltkrieg musste nach 1945 ein völlig neuer Anfang in der Regensburger Straße gemacht werden. In den sechziger Jahren entstand ein Neubau für die NZ (rechts oben, Foto: Hafenrichter). Seit 1981 hat die Redaktion ihren Sitz in der Marienstraße 9 (rechts unten, Foto: Gerullis).