Wanderung zur Giechburg

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Die etwa einen halben Kilometer lange Strecke zwischen Giechburg und Gügel (im Hintergrund die Kirche) zählt zu den schönsten im Frankenland.
©: Ute Fürböter/NZ
Ein wenig unheimlich wirkt der Felsengang unter der Gügel-Kirche mit seinen nass glänzenden, von Generationen abgetretenen Steinplatten.
©: Ute Fürböter/NZ
  • Franken-Wiki-Spezial! Dieser Eintrag gehört zu den von der NZ gestalteten Franken-Wiki-Spezial-Seiten, enthält Originaltexte und ist deshalb nicht editierbar.

Unterwegs nährt uns die Natur mit Nüssen

Von Ute Fürböter

Im Mittelalter beherrschte die Giechburg das Tal zwischen Bamberg und Scheßlitz. Sie thront auf einer felsigen Jurakuppe.


Weithin sichtbar, trutzig. „Giechburgblick“ – wie sonst – heißt der Parkplatz an der A70, an dem wir den Zwischenstopp einlegen. Spätestens hier packt uns die Wanderlust. Ein Stück müssen wir trotzdem noch fahren. Zuerst hinein nach Scheßlitz. Die Stadt wird als „Kleinod des Ellertals“ gepriesen. Das scheint seine Richtigkeit zu haben. Auf dem kurzen Weg bis zur Spitalkirche, wo wir nach links in Richtung Zeckendorf abbiegen, sehen wir schmucke Fachwerkhäuser, viele Kirchen, noch mehr Gasthöfe. Nach drei Kilometern sind wir in Zeckendorf. Hinterm Ortsausgang kann man bequem hoch zur Giechburg brausen. Soweit der Tipp für Fußmüde. Wir steuern das nahe Ludwag an, danach Neudorf. Rechter Hand sehen wir dort den Hinweis zum Wanderparkplatz. Als Nächstes kommen wir am Buswartehäuschen und an einer Kapelle vorbei, schließlich zum ehemaligen Dorfbrunnen. Hier parken wir endlich. Zunächst wandern wir auf der schmalen Asphaltstraße geradeaus – genau auf den großen Findling zu. Nach knapp 15 Minuten erreichen wir eine Scheune. Gleich dahinter gabelt sich der Weg. Der Wegweiser ist links versteckt. „Zum Gügel“, lesen wir, geht es rechts (mit grünem Kreis und roter Raute). Genau dorthin wollen wir. Also tauchen wir rechts in den herbstlich gefärbten Buchenwald ein. Bald schlängelt sich der abfallende Weg parallel zu einem Bächlein. Fast in der Ebene angelangt, stoßen wir auf fünf verlassene Felsenkeller. Schade, dass wir keine Lampe dabeihaben! Nur der Keller ganz unten scheint noch in Betrieb zu sein. Dort verlassen wir den Wald. Überwältigt bleiben wir stehen: Hoch über dem lichten Tal sehen wir die Giechburg und daneben die Vierzehnheiligenkapelle auf dem Gügel. Einst stand da die Schwesterburg. Ihre Kapelle, 1274 erstmals urkundlich erwähnt, wurde zwei Mal zerstört. 1610/18 entstand dafür eine Wallfahrtskirche. Sie hängt wie ein Schwalbennest am schroffen Fels – wird berichtet. Davon werden wir uns gleich selbst überzeugen. Wir halten uns links. Der Fahrweg führt an einer Mariengrotte vorbei und durch eine Wiese, an deren Rand hohe Nussbäume wachsen. Wir finden Nüsse in Hülle und Fülle. Kauend erreichen wir Pünzendorf. Doch wir müssen nicht hinein, sondern gleich nach rechts. Eine Schautafel steht am Anfang des Lehrpfades „Rund um den Gügel und die Giechburg“, dem wir bis auf weiteres folgen. Vorbei ist es mit dem Schlendern, hier geht es steil in die Höhe. So lange, bis sich der Weg gabelt. Wer auf dem Lehrpfad weiter nach links wandert, stößt bald auf die Gügel-Quelle. Sie ist unspektakulär, sogar vergittert. Wir wollen jetzt auf schnellsten Weg auf die Spitze. Deshalb gehen wir zurück bis zur Gabelung. Noch einmal geht es bergauf. Wir erreichen die erste Abzweigung, die nächste ist eine asphaltierte Straße. Der folgen wir. Wenige Minuten später stehen wir auf 510 Metern Höhe und staunen. Die Kapelle des Heiligen Pankratius scheint tatsächlich aus dem Felsen zu wachsen! Wir umrunden sie. Genau gegenüber der breiten steilen Haupttreppe: die Giechburg. Wir wollen aber auch ins Innere der Gügel-Kirche, deren klassizistische Kanzel ebenso wie die Empore einst den Dom zu Bamberg schmückten. Nur: Die hohe Tür ist verschlossen. Weit offen werden deren Flügel jedoch am 22. November stehen, wenn die Gläubigen um 15 Uhr zum Festgottesdienst pilgern, um das Christkönigsfest zu feiern. Durch einen Felsengang gelangen wir doch noch ins Langhaus – die Lourdesgrotte im Untergeschoss des Chors besitzt eine verborgene hölzerne Wendeltreppe. Tipp: Schlüpfen Sie durch die kleine Öffnung links hinten in der Grotte. Wieder unter freiem Himmel folgen wir dem Wegweiser an der Ecke (Hufeisen-Symbol, Frankenweg) und biegen unterhalb des Gasthofs Zenk scharf rechts in den Wald ein. Auf dem breiten Weg wandern wir am Hang entlang Richtung Giechburg. Sobald wir den Wald verlassen, rückt sie wieder in Sichtweite. Wir betreten einen Wiesenpfad, der sich zwischen Weiden, auf denen noch Kühe stehen, sacht hinaufwindet (an der Gabelung rechts halten). Man wandelt ohne große Anstrengung (der Unterschied beträgt 20 Höhenmeter), lässt den Blick rundum schweifen – von Bamberg über Schloss Seehof bis beinahe zum Fichtelgebirge – und versteht, warum die etwa einen halben Kilometer lange Strecke zwischen Gügel und Giechburg als einer der schönsten Wege ganz Frankens gilt. Die leeren Fenster des Nordflügels verkünden es: Die Giechburg, 1125 erstmals urkundlich erwähnt und ab 1390 im Besitz des Hochstifts Bamberg, hat ihre Glanzzeit längst hinter sich. Einst galt die Höhenburg als so wehrhaft, dass sogar der Bamberger Domschatz hierhin ausgelagert wurde. Nicht einmal den Schweden gelang es im Dreißigjährigen Krieg, sie einzunehmen. Dann kam die Säkularisierung. Ein bayerischer Bauinspektor hatte die Idee, durch das Abdecken der Dächer eine „malerische Ruine“ entstehen zu lassen. Entsprechend verfiel die Anlage. 1971 erwarb der Landkreis Bamberg die Giechburg und revitalisierte sie, seit 1974 ist sie der Öffentlichkeit wieder zugänglich. Ihr ältester Teil ist der mächtige Bergfried aus dem 13. Jahrhundert. Auf dem Lehrpfad wandern wir zurück, bis zur Gügel-Quelle. Danach steigen wir nicht ab ins Pünztal, sondern schlagen den bekannten Weg ein bis zur Asphaltstraße, die hinauf zum Gügel führt. An dieser Kreuzung gehen wir diesmal geradeaus. Wir betreten einen anfangs steilen Waldweg mit der Markierung grüner Kreis, roter Balken auf weißem Grund. Der ist gleichzeitig Frankenweg wie Main-Donau-Wanderweg. Wir folgen der Markierung durch den wunderschönen Buchenwald. Nach etwa 25 Minuten können wir vom Höhenweg aus einen letzten Blick auf die Giechburg werfen. Und weiter geht’s – bis zu einer kleinen T-Kreuzung. Wir gehen rechts (nicht ausgewiesen) Richtung Neudorf. Wenn wir aus dem Wald treten, sehen wir schon die ersten Häuser. Darauf laufen wir zu. Noch ein letztes Mal biegen wir rechts ab. Da steht der Brunnen. Wir fallen ins Auto. Anfahrt: A70 Bamberg – Bayreuth, Ausfahrt Scheßlitz, rechts nach Scheßlitz, dann weiter bis Neudorf wie im Text beschrieben. Strecke: 9 km, rund 3 Stunden (Abkürzungen möglich, ausgeschilderte Wanderwege hinter Zeckendorf) Einkehr: Gügel-Gasthof, Mittwoch Ruhetag, 09542/1221 sowie Burggasthof zur Giechburg, Dienstag Ruhetag, Tel.: 09542/424.

Quelle: NZ vom 14.11.2009

Das Franken-Wiki freut sich über Anmerkungen zu dieser Wanderung, die gerne auf der Diskussionsseite eingefügt werden können.


Wanderkarte

(Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)
Unser Wanderweg zur Giechburg und zurück ist nur neun Kilometer lang, nimmt aber wegen der hügeligen Landschaft gute drei Stunden in Anspruch.
©: Info-Grafik/NZ