Wolfgang Buhl

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Wolfgang Buhl (* 1925 in Reinsdorf in Sachsen im Landkreis Zwickau) ist Schriftsteller und Journalist und war langjähriger Leiter des Studio Nürnberg (heute Studio Franken) des Bayerischen Rundfunks. Er lebte bis zu seinem Tod am 10.8.2014 in Nürnberg.

Wolfgang Buhl 1983 beim „Sommer im Park“
© BR / Wolfgang Suk
Wolfgang Buhl
©: Erich Guttenberger/NZ

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Studium

Wolfgang Buhl studierte Germanistik, Theaterwissenschaft, Philosophie, Geschichte und Geistesgeschichte an der Universität Erlangen. Er wurde 1951 von der Philosophischen Fakultät mit der Dissertation „Der Selbstmord im deutschen Drama vom Mittelalter bis zur Klassik“ zum Dr. phil. promoviert.

Nürnberger Nachrichten

Von 1953 bis 1963 war Wolfgang Buhl Feuilletonredakteur bei den Nürnberger Nachrichten.

Der Wahlfranke

Dem gebürtigen Sachsen wurde Franken zur Heimat. Wolfgang Buhl schätzte Franken und lernte, mit dem Kopf und mit dem Herzen fränkisch zu denken. Manche seiner Freunde nannten ihn daher einen „gelernten Franken“. Dennoch blieb er immer ein Sachse. In seinem Band „Verachtet mir die Sachsen nicht. Versuch über eine Wahlverwandtschaft: die Franken und die Sachsen“ (1991) kam dies zum Ausdruck. (1)

Bayerischer Rundfunk

Von den Nürnberger Nachrichten wechselte Wolfgang Buhl 1963 zum Bayerischen Rundfunk, dessen Nürnberger Abteilung „WORT“ er aufbaute. Von 1978 bis 1990 war er Leiter des Studios Nürnberg des Bayerischen Rundfunks.

Wortredaktion: Das „fränkische“ Wort

Im Januar 1960 war in Nürnberg für die Produktion der regionalen Nachrichtensendungen eine Wort-Redaktion unter der Leitung des Studioleiters Konrad Michel gegründet worden.

Die Leitung dieser Redaktion „WORT“ übernahm 1963 der spätere Studioleiter Wolfgang Buhl. Buhl war bei den jüngeren Autoren damals unbekannt. Bei den öffentlichen Veranstaltungen und Lesungen des Schriftstellerverbandes war er nur als aufmerksamer Zuhörer anwesend. Er hatte ein Gespür für literarische Begabungen und setzte sich nach den Veranstaltungen in zwangloser Runde mit den jungen Mundartdichtern zusammen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Eine seiner ersten von ihm eingeführten Sendereihen war „Wie's fränkisch klingt“. Wolfgang Buhl holte dazu junge fränkische Mundartautoren, zum Beispiel Gottlob Haag, Engelbert Bach und Fitzgerald Kusz, und bot ihnen und ihren Werken im Hörfunkprogramm ein Forum.

Die Sendereihe „Wie's fränkisch klingt“ ließ nicht nur die Zuhörer des Studios Nürnberg aufhorchen, sondern regte die Bayern in München zur Nachahmung an. „Dies war gewissermaßen der Beginn einer neuen Art von Mundartdichtung, deren Welle vom Studio Nürnberg ausgehend auf den gesamten deutschsprachigen Raum überschwappte.“ (Laudatio 1992)

Darüber hinaus holte Wolfgang Buhl sich auch große Geister aus Literatur, Politik, Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zu seinem Sender, damit sie den Hörern ihre Erfahrungen und Erkenntnisse weitergeben konnten.

1966 entstand seine Reihe „Gespräche im Studio“. Es wurde jeweils ein Fachmann zu einem gesellschaftspolitischen, geschichtlichen oder kulturellen Thema vor Publikum geladen. Der oberfränkische FDP-Politiker und Vizepräsident des Deutschen Bundestages Thomas Dehler begann am 18. März 1966 mit seinem Vortrag „Ein Lob auf Franken“. Zu den Persönlichkeiten, die Wolfgang Buhl in sein Studio holte und die damit Nürnberg und auch ihm ihre Reverenz erwiesen, waren unter anderem Dieter Hildebrandt, Alexander Mitscherlich, Wolfgang Koeppen, Peter von Zahn, Christine Brückner und Hildegard Hamm-Brücher.[1] Mit diesen „Gesprächen im Studio“ bereicherte Buhl das Programm des Frankensenders und setzte damit einen neuen Meilenstein im kulturellen Bereich.[2]

Universität Erlangen-Nürnberg

Wolfgang Buhl nahm seit 1983 als Honorarprofessor für Publizistik einen Lehrauftrag an der Universität Erlangen-Nürnberg wahr.

Der Autor

Neben zahlreichen Arbeiten - u.a. zur Kultur und Geschichte Frankens, darunter die erste fränkische Literaturgeschichte, - verfasste Wolfgang Buhl auch etliche Parodien, die er in den beiden Sammlungen „Die Äpfel des Pegasus“ (1953) und „Pflaumen des Pegasus“ (1985) veröffentlichte.

Buhl ist Mitglied des PEN-Zentrums und der Erich-Kästner-Gesellschaft. Er war eng befreundet mit Hermann Kesten.

Auszeichnungen

  • 1990 Frankenwürfel, Regierung von Unterfranken in Würzburg
  • 1992 Wolfram-von-Eschenbach-Preis des Bezirks Mittelfranken, dotiert mit DM 10.000,--
  • 1994 Bürgermedaille der Stadt Nürnberg

Veröffentlichungen

  • Der Selbstmord im deutschen Drama vom Mittelalter bis zur Klassik. Universität Erlangen, Philosophische Fakultät, Dissertation vom 10. Januar 1951. Erlangen: 1950, 185 gez. Bl.
  • Äpfel des Pegasus. Neue Parodien. Berlin, 1953, 75 S. (Die Bank der Spötter; Band 3)
  • Elisabeth Pablé (Hrsg.): Ad absurdum. Parodien dieses Jahrhunderts. Salzburg, 1965, 226 S.
  • Hans Reinhard Schatter (Hrsg.): Scharf geschossen. Die deutschsprachige Parodie von 1900 bis zur Gegenwart. Bern; München; Wien, 1968, 366 S.
  • Wolfgang Buhl (Red.): Künstler sehen fränkische Städte. Eine Ausstellung des Kuratoriums Franken. (Katalog einer Wanderausstellung in neun Städten). Nürnberg: Kuratorium Franken, April 1969
  • Hrsg.: Barock in Franken. Würzburg: Echter-Verlag, 1969, 251 S. [Sendereihe des Studios Nürnberg des Bayerischen Rundfunks]
  • Weshalb ich nichts auf Erich Kästner kommen lasse. Gruß eines unbekannten an einen sehr bekannten Sachsen zu dessen 70. Geburtstag, beinahe oder wenigstens ein bißchen im Kästnerton. In: Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums 29 (1969), S. 3171-3177
  • Günter de Bruyn (Hrsg.): Das Lästerkabinett. Deutsche Literatur von Auerbach bis Zweig in der Parodie. Leipzig, 1970, 237 S.
  • Hrsg.: Fränkische Städte. Würzburg: Echter-Verlag, 1970, 398 S. [Sendereihe des Studios Nürnberg des Bayerischen Rundfunks]
  • Hrsg.: Fränkische Klassiker. Eine Literaturgeschichte in Einzeldarstellungen, mit 255 Abbildungen. Nürnberg, 1971, 807 S., ISBN 3-920701-28-3 [Sendereihe des Studios Nürnberg des Bayerischen Rundfunks 1964-1970]
  • Hrsg.: Poetisches Franken. Würzburg, 1971, 386 S., ISBN 3-429-00220-6
  • Hrsg.: 7 x Nürnberg. Würzburg, 1972, 175 S., ISBN 3-429-00248-6
  • Hrsg.: Karolingisches Franken. Würzburg, 1973, 292 S., ISBN 3-429-00303-2
  • Hrsg.: Kleine Städte am Main. Würzburg, 1975, 291 S., ISBN 3-429-00401-2
  • Für Hermann Kesten. Nürnberger Reden zum 75. Geburtstag. Nürnberg, 1975, 30 S.
  • Hrsg.: Der Nürnberger Christkindlesmarkt. Würzburg:, 1976, 68 S., ISBN 3-429-00458-6
  • Franken, eine deutsche Miniatur. Etüde in 5 Sätzen. Bildquellen: Lydia Bayer ... Würzburg 1978, 59 S.
  • Michael Mathias Prechtl: Prechtl-Plakate 1952-1978. Katalog zur Wanderausstellung von Michael Mathias Prechtl. Nürnberg, 1978, ISBN-10 3884690086
  • Michael Mathias Prechtl: Bilder und Zeichnungen 1956 bis 1981, Frankfurt am Main, 1981, ISBN 3-7632-2587-0
  • Hrsg.: Bäder in Franken. Würzburg, 1981, 249 S., ISBN 3-429-00698-8
  • Inge Meidinger-Geise (Hrsg.): Erlangen 1950 - 1980. Ein literarisches Lesebuch. Hrsg. im Auftrag des Kulturreferates der Stadt Erlangen anläßlich der Erlanger Kulturtage 1982. Erlangen, 1982, 160 S., ISBN 3-87388-000-8
  • Machd när su weidä. Vom Frieden und ob es den noch gibt. Eine Anthologie in fränkischer Mundart. Würzburg: Echter, 1983, 172 S., ISBN 3-429-00832-8
  • Lob der Provinz. Gedanken und Anmerkungen zum Regionalismus. Würzburg, 1984, 72 S., ISBN 3-429-00882-4
  • Hrsg.: Panorama Franken. Würzburg, 1984, 160 S., ISBN 3-8003-0206-3
  • Pflaumen des Pegasus. Neue Parodien. Zeichnungen von Loredano. München, 1985, 216 S., ISBN 3-485-00502-9
  • Hrsg.: Fränkische Reichsstädte. Würzburg: Echter, 1987, 277 S., ISBN 3-429-01098-5
  • Hartmut Beck (Hrsg.): Nürnberg im Luftbild. Eine Topographie in 90 Bildern. Nürnberg 1987, 219 S.
  • Hrsg.: Franken im Rokoko. Streifzüge durch eine Kulturlandschaft. München, 1989, 159 S., ISBN 3-7991-6428-6
  • Überall ist Franken. Miniaturen, Essays, Reisebilder. Hof, 1989, 297 S., ISBN 3-921615-86-0
  • August Everding: Sinn und Unwert der Kritik? Streitgespräch August Everding - Marcel Reich-Ranicki. München, P 1990,
  • Verachtet mir die Sachsen nicht. Versuch über eine Wahlverwandtschaft: die Franken und die Sachsen; mit einem baierischen Anhang. Würzburg, 1991, 96 S., ISBN 3-8035-1352-9
  • Das ewig Licht geht da herein. Unsere schönste Weihnachtslandschaft: Das Erzgebirge. Ill. Karl Bedal. Hof an der Saale, 1992, 88 S.,ISBN 3-929364-06-9
  • Journalismus und Literatur oder über die Machbarkeit einer Utopie. In: Dieter Sauberzweig, Bernd Wagner, Thomas Robke: Kultur als intellektuelle Praxis. Hermann Glaser zum 70. Geburtstag. Kulturpolitische Gesellschaft e.V., Bonn: Klartext Verlag, Essen, 1998, 380 S., ISBN 3-88474-700-2; hier: S. 55-72
  • Karfreitagskind. Roman. Cadolzburg, 1999, 615 S., ISBN 3-89716-051-X
  • Hrsg.: Hermann Kesten: Mit Menschen leben. Ein Nürnberger Lesebuch. Cadolzburg 1999, 214 S.,ISBN 3-89716-088-9
  • Wolfgang Buhl und Ulf von Dewitz (Hrsg.): „Ich hatte Glück mit Menschen“. Zum 100. Geburtstag des Dichters Hermann Kesten; Texte von ihm und über ihn. Nürnberg, 2000, 191 S., ISBN 3-87191-279-4
  • Requiem für einen Chefredakteur. Cadolzburg, 2002, 143 S., ISBN 3-89716-365-9
  • Gertrud Buschmann-Gerardi. Wir gedenken einer bemerkenswerten Frau (Nachruf). In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg , Band 89, 2002, S. 1-5 - MVGN
  • Hermann Kesten: Die Zwillinge von Nürnberg. Roman. Neudruck nach dem Text der 1. europ. Ausgabe aus dem Jahr 1947, 1. Aufl.
  • Ingeborg Höverkamp (Hrsg.): Nie wieder Krieg! Die Schicksalsjahre 1933 bis 1949. Eine Anthologie. Mit Beiträgen von 26 fränkischen Autoren. München 2007, 145 S., ISBN 978-3-86520-256-7

Literatur

  • Buhl, Wolfgang [Kurzbiographie]. In: Wolfgang Buhl (Hrsg.): Fränkische Klassiker. Eine Literaturgeschichte in Einzeldarstellungen. Nürnberg: Verlag Nürnberger Presse, 1971, 807 S., ISBN 3-920701-28-3; ´hier: S. 746
  • Gerhard C. Krischker (Hrsg.): Wolfgang Buhl zum 60. Geburtstag, 15. April 1985. Texte von Freunden und Poeten. Hrsg. von Gerhard C. Krischker. Würzburg, 1985
  • Wolfgang Buhl. Bio- und bibliographische Angaben. In: A. van den Braembussche, Ph. van Engeldorp Gastelaars: Rose und Kartoffel: Ein Heinrich Heine-Symposium, Rotterdam School of Management, Erasmus Universiteit Rotterdam. Veröffentlicht von Rodopi, 1988, 179 Seiten, ISBN 905183022X, 9789051830224; hier: S. 171 f. - im Netz
  • Professor Dr. Wolfgang Buhl, Kulturpreis 1992. In: Bezirk Mittelfranken (Hrsg.): 20 Jahre Wolfram-von-Eschenbach-Preis 1980–2000. 2. Auflage, ergänzt bis 2000. Ansbach: Hercynia, 2000, S. 72 [mit Foto]
  • Ingeborg Höverkamp: „Ein freier Geist, ein Literat, eine Künstlernatur ...“. Wolfgang Buhl zum 80. Geburtstag. In: Frankenland, Hrsg.: Frankenbund, Würzburg, Heft 2, April 2005, S. 120
  • Claudia Weise: Studio Nürnberg, Studioleitung und Verwaltung 1948 bis 1975. Bayerischer Rundfunk, Historisches Archiv / ABD, Studio Franken, Juli 2009 - PDF-Datei
  • Claudia Weise: Studio Nürnberg Wortredaktion. Sendereihe „Vom Main zur Donau“ und Sondersendungen 1960-1990. Bayerischer Rundfunk, Historisches Archiv / ABD, Studio Franken, Juli 2009 - PDF-Datei

Siehe auch

Weblinks

  • Ernst Rohmer, Theodor Verweyen und Gunther Witting: Wolfgang Buhl, Parodien - im Netz
  • Der Mundartdichter und Lyriker Gottlob Haag. In: Bekanntmachungen in der Gemeinde Adelshofen Nr. 1756-50-2004 - PDF-Datei

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Geschichte des Studio Franken: Das „fränkische“ Wort - Anfänge der Wortredaktion (1960). In: BR-Online
  2. Professor Dr. Wolfgang Buhl, Kulturpreis 1992. In: Bezirk Mittelfranken (Hrsg.): 20 Jahre Wolfram-von-Eschenbach-Preis 1980–2000. 2. Auflage, ergänzt bis 2000. Ansbach: Hercynia, 2000, S. 72