Fritz Scheller

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Fritz Scheller war der erste Nürnberger im Meistertrikot der Amateure. Die NZ widmete ihm folgenden Artikel:


Artikel in der NZ

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

Alles begann 1932 mit »Jungfuchs« Fritz Scheller

»Das Rennen um die Deutsche Meisterschaft über 225km ist viel zu lang und zu schwer, um einen Jungen mit erst 17 Jahren schon bei den Amateuren starten zu lassen«, teilte man 1932 dem Nürnberger Radsportverein »Tourenklub Nürnberg« vom Verband mit. Doch die »Tourenkluberer« - die mit der Ausrichtung der Deutschen Straßenmeisterschaft zugleich ihr 20-jähriges Bestehen feiern wollten - blieben hart und drückten ihr großes Nachwuchstalent durch. »Unser bester Fahrer Fritz Scheller muss dabei sein, wenn wir die DM in Nürnberg veranstalten, denn dieser Junge ist einmalig«, verlautete es damals. Um den Veranstalter in Nürnberg nicht zu sehr zu verärgern, gab man beim Verband schließlich zähneknirschend nach und erteilte eine Ausnahmegenehmigung für den Lehrling, mit dem mahnenden Hinweis: »Man wird diesem Jungen damit keinen Gefallen tun!«

Den für sein Alter bereits sehr stämmigen »Schellers Fritz« - der erst ein Jahr vorher mit dem Radsport begonnen hatte, ließ dies alles kalt, denn bereits als 16-Jähriger hatte er im Vorjahr mehrfach Bayerns beste Amateure schlagen können und dies sogar bei Rennen über 200 Kilometer. Und eine Woche vor der DM 1932 zeigte er bei »Rund um die Juraberge« als souveräner Sieger seine großartige Form.

Auch die mit zahlreichen schweren Steigungen gespickte Meisterschaftsstrecke von Nürnberg über Hersbruck, Amberg, Regensburg und Neumarkt zurück nach Nürnberg konnte Scheller deshalb nicht erschüttern. Schon bald nach dem Startschuss in der Laufer Gasse fuhr er als Jüngster aller 81 DM-Teilnehmer forsch ganz vorne mit. Auch als hinter Regensburg auf den letzten 100 Kilometern das Feld an den vielen Steigungen immer mehr zersplitterte, ließ sich der zähe Nürnberger nicht abhängen.

Mit einer 19-köpfigen Spitzengruppe erreichte er schließlich das Ziel am Nürnberger Stadion. Auch hier zeigte Scheller keinerlei Respekt vor den besten Sprintern. Ohne jedes taktische Gefühl trat das jugendliche »Kraftpaket« von der Spitze aus unwiderstehlich an und holte sich mit einem lang gezogenen Schlussspurt unter dem tosenden Beifall der Nürnberger Zuschauer den Meistertitel vor den Favoriten Karl Hornig aus Essen und den beiden Berlinern Putkammer und Stach.

Eine große Karriere hatte begonnen: Auch 1936 und 1937 war Scheller bei der Straßen-DM der Amateure nicht zu schlagen. Acht Jahre lang trug er das Nationaltrikot und fuhr auch nach dem Krieg große Erfolge ein. Als Funktionär blieb er dem Radsport bis zum Lebensende 1997 treu.

Manfred Marr (Aus Nürnberger Zeitung vom 27.Juni 2003)