Georg Umbenhauer

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Georg Umbenhauer (* 20. September 1912 in Nürnberg; † 15. Dezember 1970 in Nürnberg) war ein erfolgreicher Nürnberger Radprofi. Die NZ veröffentlichte folgenden Artikel zu diesem Thema.

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

Als der "Umbes" unschlagbar war

von Manfred Marr

Wenn heute das Einzelzeitfahren der 31. Deutschland-Tour in Fürth stattfindet, ist Deutschlands größte Radrundfahrt bereits zum zehnten Mal in Franken zu Gast: Siebenmal war bisher Nürnberg bereits Ziel einer Etappe, einmal Ansbach und einmal Herzogenaurach.

Schon kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert hatte Nürnberg mit seinen über 50 Radsportvereinen einen guten Ruf als Bayerns Radsport-Hochburg. Als acht Jahre nach der ersten Tour de France und zwei Jahre nach dem ersten Giro d’Italia 1911 die erste große deutsche Rad-Rundfahrt durchgeführt wurde, die man «Quer durch Deutschland» nannte, war Nürnberg einer der sechs Etappenorte! Die 1493 Kilometer lange Strecke führte von Dresden über Erfurt, Nürnberg, Mannheim, Bingen nach Aachen. Sieger der Premieren-Rundfahrt war der Sossenheimer Hans Ludwig, der vor dem Berliner Adolf Huschke und dem Schwabacher Hans Hartmann gewann.

Erst elf Jahre später – bedingt durch den Ersten Weltkrieg – fand 1922 mit Unterstützung der deutschen Fahrrad-Industrie die zweite Ausgabe der Deutschland-Rundfahrt statt, der erst 1927 die dritte Austragung folgte, bei der Nürnberg erneut Etappenort war. Eine gewaltige Radsportbegeisterung brach in der Noris aus, als 1938 der 25-jährige Nürnberger Georg Umbenhauer gleich die erste Etappe von Berlin nach Zittau gewann, in den folgenden Tagen dreimal als Zweiter auf das Treppchen stieg und am Ende Achter der Gesamtwertung wurde.

Ganz Nürnberg fieberte ein Jahr später der «Groß-Deutschland-Rundfahrt» entgegen, mit der die Nationalsozialisten 1939 die Größe des deutschen Reiches demonstrieren wollten. Die bislang längste deutsche Rad-Rundfahrt, die länger war als die Tour de France und der Giro d’Italia, führte über 20 Etappen und 5049 Kilometer auch durch das heutige polnische Staatsgebiet und durch das damals angegliederte Österreich. Die Begeisterung in ganz Deutschland war einmalig.

Besonders fieberte man im Etappenort Nürnberg mit und drückte dem «Umbes», wie seine vielen Fans Georg Umbenhauer liebevoll nannten, begeistert die Daumen. Und der vielseitige Allrounder, der für das Team der Fahrradfabrik «Phänomen» fuhr, enttäuschte seine Anhänger nicht. Umbenhauer war in Topform und fuhr das Rennen seines Lebens. Rund drei Wochen lang war der zähe Nürnberger der überragende Mann dieser extrem schweren Rundfahrt, die er mit fast zehn Minuten (!) Vorsprung vor dem Schweizer Robert Zimmermann und dem ebenfalls großartig kämpfenden Nürnberger Fritz Scheller gewann. Damit standen nach der bisher schwersten und längsten deutschen Rundfahrt zwei junge Nürnberger Rad-Profis gemeinsam auf dem Treppchen – die fränkischen Radsportfans waren völlig aus dem Häuschen!

Leider unterbrach kurz darauf der Zweite Weltkrieg für viele Jahre den internationalen Sportbetrieb, die so vielversprechend begonnenen Karrieren von Umbenhauer und Scheller und auch die Fortsetzung der Deutschland-Rundfahrt. Statt einer «Groß-Deutschland-Rundfahrt» begann man 1947 mehr als bescheiden mit einer kleinen Deutschland-Rundfahrt über sechs Etappen, bei der die deutschen Fahrer unter sich waren.

Fast hätte es drei Jahre später, als 1950 erstmals wieder ausländische Profis teilnahmen, noch einmal einen Nürnberger Sieger gegeben. Der gebürtige Herpersdorfer Matthias Pfannenmüller erkämpfte sich nach 17 Etappen über 3864 Kilometer hinter dem belgischen Sieger Roger Gijselinck sensationell den zweiten Platz. Der Herpersdorfer Allrounder, der für das Express-Team der Neumarkter Fahrradfabrik fuhr, bestätigte seine guten Leistungen als ausdauernder Rundfahrt-Spezialist auch in den folgenden Jahren sehr eindrucksvoll: 1951 beendete er die Deutschland-Rundfahrt als Siebter und bester Deutscher, 1952 kam er als Neunter ins Ziel. « Mit einer stärkeren Mannschaft wäre da wohl noch mehr drin gewesen», bedauerte der «Matthes» oft, der 2004 im Alter von 83 Jahren starb.