Shenzhen (China)
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Shenzhen (chin. 深圳市, Shēnzhèn Shì) ist eine Unterprovinzstadt in der Provinz Guangdong der Volksrepublik China. Shenzhen liegt im Süden der Provinz, nur durch einen Fluss von Hongkong getrennt. Die Stadt gilt als eine der bedeutendsten Städte ausländischer Investitionen und ist deshalb eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Im Jahr 1979 lebten in der Stadt gerade einmal 30.000 Einwohner. Heute ist Shenzhen eine moderne Millionenstadt mit über 12 Millionen Einwohnern, die fast genauso schnell wächst wie Shanghai. Abgesehen von Hongkong ist es die Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in China. Tragsäule der lokalen Wirtschaft ist die Elektronik- und Telekommunikationsindustrie.
Der Name der Stadt taucht zum ersten Mal während der Ming-Dynastie 1410 auf. Damals war das Gebiet von unzähligen Flüssen und Bächen durchkreuzt die zur Entwässerung der Reisfelder dienten. Die Leute bezeichneten diese Entwässerungsgraben als "zhèn (圳)" . "Shēn (深)" bedeutet "tief". Shēnzhèn kann somit in etwa als "Tiefe Entwässerungsgraben" übersetzt werden.
Großregion: Südchina
Provinz: Guandong
Status: Unterprovinzstadt Sonderwirtschaftszone
Einwohnerzahlen (2006): über 12 Mio
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Geographie
Die Boomtown Shenzhen liegt im Süden der Guangdong Provinz im Perlfluss-Delta. Das Stadtgebiet umfasst eine Größe von 2.050 km². Von Hongkong trennt es der Sham-Chun-Fluss sowie der Sha-Tau-Kok-Fluss. Shenzhen war ursprünglich ein hügeliges Gebiet mit fruchtbarem Ackerland. Jedoch gab es nach der Einführung der Sonderwirtschaftszone tief greifende Einschnitte der Landschaft. Das ehemals hügelige Fischerdorf wurde für das Stadtgebiet großteils eingeebnet. Vom Satelliten aus betrachtet erkennt man nur noch den Lotus Hill, Mount Bijia und Mount Wutong als Erhöhungen in der Stadt. Durch den anhaltenden Bauboom in der Stadt wird auch das Gebiet um die Mission Hills teilweise eingeebnet um es nutzbar zu machen. Shenzhen liegt etwa 100 km südöstlich von der Provinzhauptstadt Guangzhou, 60 km südlich von der Industriestadt Dongguan, 60 km nordöstlich von Zhuhai und 65 km nordöstlich von Macao entfernt.
Administration
Die Sonderwirtschaftszone (SEZ, engl. Special Economic Zone) besteht aus den vier Stadtbezirken Luohu, Futian, Nanshan und Yantian. Sie ist von den beiden anderen Stadtbezirken Bao'an und Longgang durch Kontrollposten abgeteilt und die Migration in die SEZ ist stark reglementiert. Theoretisch darf sie nur mit einem speziellen Pass betreten werden und folglich sammeln sich die Migranten aus ganz China in den bevölkerungsreichen Bezirken außerhalb der Zone.
Die traditionellen Finanz- und Handelszentren befinden sich in dem an Hongkong angrenzenden Stadtteil Luohu. Futian, der Stadtbezirk, in dem sich die Stadtregierung befindet und der sich im vergangenen Jahrzehnt zum neuen Finanz- und Handelszentrum der Stadt entwickelt hat, liegt im Herzen der SEZ. Im Stadtteil Nanshan im Westen der SEZ ist die High-Tech-Industrie angesiedelt. Der Stadtbezirk Yantian ist der Knotenpunkt für die logistischen Aktivitäten von Shenzhen. Außerhalb der SEZ finden sich Bao'an und Longgang, die im nordwestlichen beziehungsweise nordöstlichen Teil Shenzhens liegen.
Klima
Shenzhen hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von 22,8 °C und eine Jahresniederschlagsmenge von 1828 mm. Das Klima kann als subtropisches Meeresklima beschrieben werden. Im Frühjahr und im Herbst ist mit dem häufigen Auftreten tropischer Wirbelstürme (Taifune) zu rechnen. Durch die Zeitverschiebung muss man im Sommer 6 Stunden und im Winter 7 Stunden voraus rechnen.
Geschichte
Die Zeit vor der Gründung der Sonderwirtschaftszone
Ursprünglich lag auf dem Gebiet der heutigen Stadt der Kreis Bao'an (宝安县), dessen Zentrum bis 1979 eine Stadt mit nur 30.000 Einwohnern an der Grenze zu Hongkong war. Im März 1979 entschied sich die Zentralregierung zusammen mit der Provinzregierung von Guangdong aus dem Kreis eine Stadt mit dem Namen Shenzhen zu machen. Im November des gleichen Jahres erhielt Shenzhen die Stadtrechte und wurde somit direkt der Provinzregierung unterstellt.
Gründung der Sonderwirtschaftszone
Shenzhen liegt in einer idealen Lage am Perlfluss-Delta und an der Grenze zu der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong. Dies war der Grund dafür, dass unter Deng Xiaoping im Mai 1980 in Shenzhen die erste Sonderwirtschaftszone Chinas gebildet wurde, unter anderem auch, um von der wirtschaftlichen Entwicklung Hongkongs zu profitieren. Dengs Parole im Zusammenhang mit der Stadt Shenzhen lautete "Lasst den Westwind herein. Reichtum ist ruhmvoll". Dies beschrieb sehr treffend das, was in der Stadt in den kommenden Jahren passieren sollte, ein extremer Bauboom wie es selbst in China selten anzutreffen ist. Da in der gesamten Provinz Guangdong viele Unternehmen im produzierenden Gewerbe tätig sind, war die Region die erste, die in den Medien gerne als "Werkbank der Welt" bezeichnet wurde.
Politik
Beziehungen zwischen Hongkong und Shenzhen
Mit einer Gesamtfläche von zusammen ca. 3300 km² und ca. 19 Mio. Personen sind Hongkong und Shenzhen, neben Guangzhou, die bedeutendsten Städte der Wirtschaftsregion Perlfluss-Delta. In der Zeit der Gründung der Sonderwirtschaftszone Shenzhen profitierte die Stadt sehr stark von der wirtschaftlichen Entwicklung der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong, die als eine der liberalsten Marktwirtschaften der Welt gilt. Im Vergleich der beiden Städte heutzutage hat Hongkong seine Stärken im Dienstleistungssektor, im Logistik- und Marketingbereich.
Shenzhen hingegen, das in den letzten Jahrzehnten zu einer der bedeutendsten Großstädte Chinas gewachsen ist, hat enorme Produktionskapazitäten und einen großen "Pool an Talenten". Die Stadt beliefert Hongkong beispielsweise auch mit Waren des täglichen Bedarfs wie z.B. Obst, Gemüse und Geflügel und versorgt die Stadt ebenfalls mit Strom, da der Strombedarf nicht vollständig durch Kraftwerke in Hongkong gedeckt werden kann. Außerdem wurde zwischen Hongkong und dem chinesischen Festland das "Mainland and Hong Kong Closer Economic Partnership Arrangement" (CEPA) abgeschlossen, das die Wirtschaftsbeziehungen der beiden Städte bestärkt. Außerdem pendeln viele Hongkonger zwischen Shenzhen und Hongkong, wo sie arbeiten, da die Lebenshaltungskosten in Shenzhen wesentlich niedriger sind. So waren 2003 etwa 50 000 Wohnungen in Shenzhen im Besitze von Bürgern Hongkongs.
Städtepartnerschaft
Beim Abschluss der Partnerschaft zwischen Shenzhen und der Region Nürnberg im Jahre 1997 standen zunächst wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund. Große und mittlere Unternehmen aus der Region suchten den schnellen und unkomplizierten Kontakt zu einer der am stärksten wachsenden Regionen der Welt. Mittlerweile sind bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken rund 400 Unternehmen registriert, die regelmäßig Kontakt zu China haben.
Der kulturelle Austausch spielt inzwischen eine ebenso große Rolle. Anlässlich des 10-jährigen Bestehens dieser Partnerschaft im Jahr 2007 konnten gleich mehrere große Projekte realisiert werden: Den Auftakt bildete das Große Chinesische Neujahrskonzert in der Nürnberger Meistersingerhalle, und im Juli lockten traditionelle Tänze und Musik der Shenzhen Dance Company rund 5 000 Zuschauer auf den Hauptmarkt. Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildete das Nürnberger Staatstheater, das eine Einladung zum 1. Internationalen Kulturfestival der Partnerstädte in Shenzhen annahm und dort vor einem begeisterten Publikum die Gluck-Oper "Orpheus und Eurydike" zur Aufführung brachte.
Künstlerinnen und Künstler aus der Region Nürnberg und aus Shenzhen reisen mittlerweile regelmäßig in die jeweilige Partnerstadt, um dort zu arbeiten und um Ausstellungen zu organisieren. Ein regelmäßiger Austausch findet auch in den Bereichen Musik, Sport, Bildung, Jugend und Umwelt statt.
Auf dem vorweihnachtlichen Markt der Partnerstädte, der den Nürnberger Christkindlesmarkt um internationalen Flair bereichert, bietet der Shenzhen-Stand unter anderem landestypische Tierkreiszeichen, Essstäbchen, Pinsel und Schreibgerät sowie farbig beleuchtete Weihnachtsbäumchen an. Dank des kontinuierlichen Austausches sind enge Beziehungen entstanden; die Chinesen betrachten die Region Nürnberg nicht nur als Freunde, sondern als gute "Verwandte".
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
Im Jahr 2001 gab es in Shenzhen 3,3 Millionen berufstätige Personen. Davon waren im sekundären Wirtschaftssektor 1,85 Mio Personen beschäftigt und der tertiäre Sektor (Dienstleistungssektor) war Arbeitgeber für 1,4 Mio Menschen. Das Bruttoinlandsprodukt von Shenzhen betrug im Jahr 2005 492,69 Milliarden Renminbi (entspricht ca. 49 Mrd. EUR) was einem Wachstum um 15 % gegenüber 2004 entspricht. Die Wirtschaft in der Stadt wuchs zwischen 2001 und 2005 jährlich im Durchschnitt um 16,3 %. Das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2001 war das vierthöchste der Städte Festlandchinas.
Die Börse Shenzhen ist neben der Börse Shanghai die zweitgrößte Börse Festlandchinas.
Shenzhen ist Sitz einiger der erfolgreichsten chinesischen High-Tech Unternehmen wie Huawei, Xunlei oder ZTE. Außerdem haben viele ausländische IT Unternehmen Niederlassungen in der Stadt. Dazu zählt beispielsweise Foxconn, welches im Stadtteil Longhua mit ca. 200.000 Mitarbeitern in der so genannten "iPod City" unter anderem iPods für Apple herstellt.
Verkehr
- Land
Der direkt an der Grenze zu Hongkong in Luohu gelegene Bahnhof ist Ausgangspunkt für viele Zugverbindungen innerhalb Chinas. Die über See 4770 m lange Schrägseilbrücke mit 6 Fahrstreifen bildet den "Hong Kong-Shenzhen Western Corridor" über die trennende Deep Bay und macht viele Fährfahrten überflüssig. Auf den Rampen sind jeweils auf Hongkong- und Shenzhen-Seite eine kombinierte Maut- und Zollstation zu durchfahren. Die Kapazität wird mit täglich 58.600 Fahrzeugen und 60.000 Personen angegeben. Shenzhen verfügt seit dem 28. Dezember 2004 über eine im Aufbau befindliche U-Bahn, die Shenzhen Metro (SZM), und ist damit nach Peking, Hongkong, Tianjin, Shanghai und Guangzhou die sechste chinesische Stadt mit einem solchen Verkehrsträger. Für die Fortbewegung innerhalb der Stadt können Taxis benutzt werden. Sie kosten mindestens 12,50 RMB bis 2,5 km und 0,60 RMB je weitere angefangene 0,25 km. In der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr wird ein Nachtzuschlag von 30 % erhoben. Außerdem kann das sehr gut ausgebaute innerstädtische Busnetz benutzt werden. Fernere Ziele, wie Guangzhou, Humen oder Xiamen, können zudem mit Fernbussen, die in einem Busterminal unterhalb der Lo Wu Commercial City nahe der Grenze zu Hongkong abfahren und ankommen, erreicht werden.
- Luft
Der Shenzhen Baoan International Airport ist der viertgrößte Flughafen Festlandchinas und liegt 35 km außerhalb des Stadtzentrums. Er bedient viele innerchinesische Ziele sowie auch einige internationale Zielflughäfen. Im Vergleich zu dem internationalen Flughafen von Hongkong ist er normalerweise günstiger für Flüge innerhalb Chinas. Er hat sich zu einem bedeutenden Umschlagplatz für Luftfrachtsendungen und innerchinesische Passagierflüge entwickelt. Zudem ist der Flughafen das Drehkreuz der in Shenzhen beheimateten Passagierfluggesellschaft Shenzhen Airlines und der Frachtfluggesellschaft Jade Cargo International. Der Flughafen wird bis zum Jahr 2012 um ein weiteres Terminal erweitert, und wird damit im Passagierbereich zu den bedeutendsten Flughäfen weltweit aufschließen.
- Wasser
Eine Möglichkeit um nach Hongkong zu kommen sind die Jetfähren, die im Stundentakt von Hongkong Island, Kowloon und dem Hongkonger Flughafen nach Shekou (Shenzhen) und Fuyong (Flughafen Shenzhen) verkehren.
Sehenswürdigkeiten und Freizeitaktivitäten
- Gebäude
In Shenzhen steht das neunthöchste Gebäude der Welt, der Shun Hing Square. Es wird 2010 durch den 439 Meter hohen Kingkey Finance Tower in seiner Rolle als das höchste Gebäude der Stadt abgelöst. Der SEG Plaza ist ebenfalls in der Liste der höchsten Gebäude der Welt aufgeführt.
Insgesamt stehen in Shenzhen 13 Gebäude, die höher als 200 Meter sind. Sie bilden insbesondere nachts mit den weiteren Gebäuden der Stadt eine imposante Skyline.
- Künstlerdorf Dafen
Dafen (大芬社区) ist eine Einwohnergemeinschaft im Stadtbezirk Longgang. Dieses Dorf entwickelte sich in den letzten Jahren zur weltweit größten Fälscherwerkstatt für Ölgemälde.
- Sport
Zusammen mit dem Mission Hills Golf Club ist die größte Golfanlagen der Welt entstanden, auf der 2007 (und weiterhin) der World Cup der Profigolfer ausgetragen wird. Shenzhen wird Gastgeber der Sommer-Universiade 2011 sein.
- Themenparks
Freizeitsparks mit folkloristischen Attraktionen, Safari-Park und Botanischer Garten bieten Abwechslung und Entspannung vom Arbeitsalltag.
Veranstaltungen
Besondere Veranstaltungen in Shenzhen verteilen sich über das gesamte Jahr:
- Januar/Februar
In die Zeit zwischen Ende Januar und Mitte Februar fällt das dreitägige chinesische Neujahrsfest, mit dem das neue Jahr nach dem Mondkalender begrüßt wird. Begangen wird es mit unzähligen Feuerwerken und Knallfröschen, Drachen- und Löwentänzen auf den Straßen und großen Festessen zu Hause. Viele chinesische Arbeitsnehmer nutzen jetzt ihre Jahresurlaub, um nach Hause zu fahren. Nach den Neujahrsfeierlichkeiten folgt das Laternenfest, an dem schöne Lampionausstellungen zu sehen sind.
- Mai
Anlässlich der Feiern zum 1. Mai erhalten Arbeitnehmer freie Tage. Zum Sommerbeginn, gegen Ende Mai, wird mit feucht-fröhlichen Wettrennen das Drachenbootfest gefeiert.
- August
Das Mondfest, auch Mittherbstfest genannt, führt die Verwandten zu einem Festessen zusammen, bei dem als süße Spezialität "Mondkuchen" serviert wird.
- Oktober
Anfang Oktober wird der Gründungstag der Volksrepublik China gefeiert. Viele Büros und Behörden sind dann eine Woche lang geschlossen.
Literatur
- Reiseliteratur zu Shenzhen und Hongkong bzw. Südchina, die mit ins Gepäck sollte: Baedecker, China; Allianz, Reiseführer China; Chang Jung, Wilde Schwäne, Knaur Verlag.
Siehe auch
- Partnerstädte fränkischer Städte und Gemeinden
- regiolog.com (das Wissensportal der Metropolregion Nürnbeg wurde 2009 auf dem Knowledge City Summit in Shenzhen vorgestellt)
Weblinks
- ShenZhen Government - online
- Shenzhen - Wikipedia
- Shenzhen - Wikitravel
