Valentin Rathgeber

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Valentin Rathgeber (* 3. April 1682 in Oberelsbach; † 2. Juni 1750 im Kloster Banz), war Benediktinerpater in Kloster Banz und wohl der bekannteste fränkische Komponist des Barock. Die Orgel der imposanten Stiftskirche von Kloster Banz war seine Wirkungsstätte. Rathgeber war äußerst produktiv und hat sich mit der Veröffentlichung seines Werkes an breite Volksschichten gewandt. Für die einfachsten Verhältnisse schrieb er anspruchsvolle Musik, die sich durchaus mit der Musik an Fürstenhöfen messen konnte. Ihm ist es gelungen, die Heiterkeit der Landschaft und der Architektur in seiner barocken Musik einzufangen. Als er nach einer fast neun Jahre dauernden umstrittenen Reise nach Kloster Banz zurückkehrte, ließ ihn der Abt nach getaner Buße wieder als Komponist und Musiker arbeiten. Viele seiner schönsten Kompositionen sind dann noch entstanden.

Inhaltsverzeichnis

Leben

3.4.1682 Hans Valentin Rathgeber wird als sechstes Kind des Lehrers, Kantors und Organisten Valentin Rathgeber und seiner Frau Anna in Oberelsbach geboren.

14.2.1701 Rathgeber beginnt in Würzburg Rhetorik, Mathematik, Rechtswissenschaft zu studieren und wendet sich bald auch der Theologie zu.

16.3.1707 Wegen seiner musikalischen Fähigkeiten wird Rathgeber als Kammerdiener vom Abt Kilian Düring an das Benediktinerkloster Banz berufen.

26.11.1707 Rathgeber tritt als Novize in den Konvent von Banz ein und feiert bereits ein Jahr später seine Profess im Kloster Banz.

18.10.1711 Rathgeber feiert Primiz in seinem Orden. Als Ordensnamen trägt er seitdem seinen zweiten Taufnamen Valentin.

22.10.1729 Rathgeber verlässt, angeblich ohne Zustimmung des Abtes, sein Kloster, um seine Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dokumentierte Stationen dieser Reise sind unter anderem Mainz, Bonn, Köln, Trier, Stuttgart, Regensburg, die Schweiz, Wien und die Steiermark. Werke aus dieser Zeit widmet Rathgeber in erster Linie seinen jeweiligen Gastgebern.

2.9.1738 Nach fast neunjähriger Abwesenheit kehrt Rathgeber wieder in sein Heimatkloster Banz zurück.

19.9.1738 Nach einer Generalbeichte und einer Professerneuerung wird Rathgeber wieder in den klösterlichen Konvent aufgenommen.

2.6.1750 Nach längerer Krankheit verstirbt Rathgeber.

Werk

1721 Rathgeber veröffentlicht Opus I. Es handelt sich hierbei um acht Messkompositionen des Typus der missa brevis, die Kürze, Einfachheit und liebliche Harmonik prägt. Bereits 1728 erscheint eine zweite Auflage, die noch zwei Requien enthält.

1723 Rathgebers Opus II bietet Vespern im prunkvollen konzertierenden Stil; es handelt sich hierbei um teilweise feierliche, teilweise kürzere Vesperzyklen mit meist fünf Psalmen und Magnificat.

1725 Mit Opus III legt Rathgeber einen Zyklus von neun Messen des Typs der Missa solemnis vor. Auch dieses Werk war sehr beliebt und es folgte binnen Jahresfrist eine zweite Auflage.

1726 Rathgeber veröffentlicht Opus IV, eine Sammlung von instrumental begleiteten Offertoriumskompositionen.

1727 Opus V befriedigt den kirchenmusikalischen Bedarf an Marianischen Antiphonen für das gesamte Kirchenjahr.

1730 Opus VII entsteht, eine Sammlung von zehn solennen Messen für alle Feste des Kirchenjahres.

1731 Opus VIII, eine Sammlung von 6 Requien und 2 Libera me entsteht.

1732 Rathgebers nächstes Opus IX war ein Vesperzyklus. Noch im selben Jahr erschienen Opus X, eine Sammlung von je acht lateinischen und deutschen Arien, und Opus XI, bestehend aus 36 Hymnen. Die Texte der Geistlichen Arien stammen wahrscheinlich von Rathgeber persönlich.

1733 Das nächste Werk Rathgebers erschien in zwei Bänden. Der erste Band von Opus XII beinhaltet sechs Missae rurales, also ländliche Messen, die den beschränkten Möglichkeiten auf dem Lande Rechnung trugen. Im zweiten Teil von Opus XII legt Rathgeber nun sechs missae civiles, also anspruchsvollere Stadtmessen, vor. Anonym erschien noch im selben Jahr die erste Tracht des Tafel-Confectes.

1734 In diesem Jahr veröffentlicht Rathgeber Opus XIII, bestehend aus je sechs Miserere und Tantum ergo.

1735 Auch in diesem Jahr war Rathgeber sehr produktiv. So veröffentlichte er den dritten Teil von Opus XIV. Der Opus XV, eine Sammlung von 50 Offertorien für die gewöhnlichen Sonntage, ist im stylo antico notiert und kann auch A Capella aufgeführt werden.

1736 Opus XVI besteht aus 24 Marianischen Antiphonen. Im selben Jahr erschien noch Opus XVII, wiederum ein Vesperzyklus. Darüberhinaus veröffentlichte Rathgeber mit Opus XVIII eine Sammlung von sechs Lauretanischen Litaneien.

1737 Wiederum anonym erscheint eine weitere Tracht des Tafel-Confectes. Im selben Jahr veröffentlicht Rathgeber Opus XIX, eine Sammlung von vier solennen Messen mit eingefügten Konzerten.

1739 Mit Opus XX veröffentlicht er eine weitere Sammlung von 30 leicht ausführbaren Offertorien. Vermutlich in diesem Jahr erscheint wiederum anonym auch die Dritte Tracht des Tafelkonfektes.

1741 In diesem Jahr erscheint Rathgebers letztes kirchenmusikalische Werk, von dem bislang kein Exemplar mehr aufgefunden werden konnte.

1743 Mit Opusculum XXII veröffentlicht Rathgeber eine Sammlung von 60 leichten Schlagarien für das Tasteninstrument. Scheinbar waren diese liebenswürdigen Spielstücke sehr beliebt; denn bereits 1750 wurde eine zweite Auflage besorgt. In den letzten Lebensjahren schrieb Rathgeber noch viele Aufsätze, handschriftliche Kompositionen und eine Autobiographie; hiervon ist nichts erhalten.

Denkmal

Der Rotary Club Obermain schenkte der Hanns-Seidel-Stiftung auf Kloster Banz im März 2010 ein Kunstwerk des Weismainer Steinbildhauermeister und Rotariers Joachim Mende, welches an den mainfränkischen Barockkomponisten Johann Valentin Rathgeber erinnert. In der Formgebung ließ sich der Künstler von der Zeit Rathgebers inspirieren. Die Bewegung der Form wurde dabei abstrahiert und einem barocken Musikinstrument nachempfunden.

Siehe auch

Weblinks

Valentin-Rathgeber-Gesellschaft Oberelsbach