Walter Scherf

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Walter Scherf (* 29. August 1875; † 28. Juli 1909) war ein Künstler und Produzent kunsthandwerklicher Zinn-Gegenstände des Jugendstils in Nürnberg-St. Leonhard. Seine Erzeugnisse nach Entwürfen der berühmtesten Jugendstil-Künstler sind noch heute weltweit begehrte Sammlerstücke.

Inhaltsverzeichnis

Kurzbiografie

Walter Scherf wurde 1875 als Sohn des Kaufmanns Friedrich August Scherf in Grünewald, Gde. Höhscheid geboren. Gemeinsam mit diesem gründete er 1899 in Gostenhof die "Metallwarenfabrik für Kleinkunst in Firma Walter Scherf & Co". 1900 erfolgte der Umzug in die Holzschuherstraße in St. Leonhard, auf das spätere Areal der Firma Zucker-Bär mit der markanten Neurenaissance-Villa. Aus dem anfänglich bescheidenen Handwerksbetrieb wurde eine berühmte Fertigungsstätte der Zinnkunst: Von 1899 bis 1909 wurden 1300 Modellserien gefertigt, für die man auf den Weltausstellungen reihenweise Gold-Auszeichnungen erhielt. Maßgeblich beteiligt war an diesem Erfolg die Arbeit der namhaften Designer die für die Entwürfe verantwortlich zeichneten: Darunter Friedrich Adler, Peter Behrens und Joseph Maria Olbrich. 1906 wurde die Firma auf Grund gravierender Zahlungsschwierigkeiten drastisch umstrukturiert und der Name in "Isis-Werke GmbH" geändert. Während Walter Scherf Direktor blieb, schied Bruder August aus dem Unternehmen aus und übernahm die Exportabteilung. Besonders in den Jahren 1900 - 1910 werden die Erzeugnisse Scherf / Isis / Osiris zu den besten Jugendstil-Zinnkunstwerken der Welt gezählt. Walter Scherf selbst experimentierte in eigenen Entwürfen bereits mit modernen, schnörkellosen Ansätzen der Neuen Sachlichkeit und war damit seinen Zeitgenossen weit voraus, die noch im üppigen Jugendstil schwelgten. Doch der künstlerische Erfolg konnte das betriebswirtschaftliche Versagen nicht abfedern: 1909 kamen erneut drastische Bilanzfehler ans Licht, für den im Folgenden aufgedeckten finanziellen Verlust wurde Walter Scherf mitverantwortlich gemacht und musste aus dem Unternehmen austreten. Wenig später verstarb er am 28. Juli 1909 im Alter von nur 33 Jahren.

Literatur

  • Claus Pese: Das Nürnberger Kunsthandwerk des Jugendstils. Zugleich: Universität Erlangen-Nürnberg, Philos. Fakultät I (Philosophie, Geschichte u. Sozialwiss.), Dissertation 1980. Nürnberg: Stadtarchiv, 1980, XIII, 414 S., ISBN 3-87432-073-1 (Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte; Band 30)
  • Claus Pese: Jugendstil aus Nürnberg. Kunst, Handwerk, Industriekultur.Stuttgart: Arnoldsche Art Publ., 2007, 311 S., ISBN 978-3-89790-236-7
  • Claus Pese: Jugendstil aus Nürnberg, Handwerk zwischen Kunst und Industriekultur, Arnoldsche Verlagsanstalt, 2008, 264 S., ISBN 3-89790-236-2

Siehe auch

Weblinks